Deo gracias


03.08.2017

Wischnipur

09 :43 Uhr

Wetter: Das Unwetter ist vorüber

 

Liebes Logbuch,

 

Ich sitze vor einem Café. Vor mir stand eben noch ein voller Kaffee, der jetzt aber leer ist, weil ich ihn leer getrunken habe, da ich müde war bzw. bin, aufgrund der fast völlig schlaflosen Nacht. Punkt.

 

Ich war erfüllt von Freude über meine Entscheidung. In dem Moment merkte ich erst, wie sehr ich Heimweh hatte. Euphorisch begann ich jeden Gedanken, der mir über die letzten 80 Tage gekommen war, niederzuschreiben. Draußen stürmte und regnete es den gesamten Tag über. Ich traute mich nur ein Mal raus, um einen widerwertigen Haufen auf die Wiese zu scheißen und hin und wieder um zu bronzen. Meine Essensration war mager. 200 Gramm Brot und Salami, sowie ein Päckchen Orangina Gummibärchen. Ein Laden war nicht in der Nähe. Um Essen zu holen, hätte ich mein Zelt abbauen müssen. Ich aß also erst am Nachmittag die Hälfte und am Abend den Rest. Zum Frühstück verputzte ich die Gummibärchen. Mein Output war unglaublich. 16 Seiten voller Zeichnungen und Notizen. Bis spät in die Nacht kam mir ein Geistesblitz nach dem anderen. Es muss gegen drei Uhr gewesen sein, als die Müdigkeit mich in die Knie zwang und ich bis 07:58 Uhr schlief. Den Naviwecker hatte ich auf neun Uhr gestellt. Er klingelte pünktlich, als ich bereits auf halben Weg ins Stadtzentrum war. Mein Magen raunte und ich fühlte mich schwach und ausgemergelt. Ich kaufte mir ein Sandwich und ein Croissant aux Amandes und lies mich in dem Café nieder, wo ich den Kellner noch darum bat, meine Powerbank aufladen zu dürfen.

 

Ich rechne mit dem Schlimmsten. Alle Pläne sind schiefgegangen. Ich sitze am Ende der Welt fest und will nur nach Hause. Die Zugfahrt von Morlaix nach Paris, nach Ulm dauert acht Stunden. Mein IPod ist leer und mein Handyakku spare ich auf, damit auch ja nichts schiefgehen kann. E-Ticket check. Umsteigen in Paris. In 51 Minuten zum 5,3 Kilometer entfernten Bahnhof...

 

Mein Herz ist schwer. Vieles ist passiert. Ich versuche die richtigen Worte zu finden, für das was ich fühle, doch ich denke der Trip spricht für sich selbst. Es fühlt sich an wie… Abschied nehmen. Von was? Dem Lebensabschnitt? Der Natur? Dem Erlebten, da es mit meiner Heimkehr nicht mehr als eine Erinnerungen und nicht mehr ein Teil der Gegenwart ist? Es fühlt sich an wie… Ankommen. Heimat! Freunde! Familie! Musik! Und eine gottverdammte Dusche! Ja… Deo gracias!

 

 

Euer Trigga aka Wischnipur

 

 

PS: Eben hat ein halbglatziger, etwa 50-jähriger Mann Kleingeld für seinen Espresso auf den Tresen gelegt und ist mit seinem Brecheisen, nach dem Motto „an die Arbeit“, zielstrebig aus dem Café gelaufen.