Happy washing


28.07.2018

Wischnipur

18:31 Uhr

Wetter: Dunkle Wolken am Himmel

 

Liebes Logbuch,

 

ich wusch mich nicht in dem Dreckwasser. Lieber war ich dreckig, als tot. Aber ein Waschgang musste her, das stand fest. Ich lief noch weitere fünf Kilometer bis ich eine Tischgarnitur fand, wo ich ein komplettes Brot fraß. Nebenan spielten ältere Herrschaften Boule. Als ehemaliger Boule-Champion mit Vaddi hätte ich die Amateure degradiert. Ich dachte daran es für den Rest des Tages gut sein zu lassen. Zu gemütlich hatte ich den Tag begonnen. Direkt hinter der Kirche entdeckte ich plötzlich ein Bächlein, das unglaublicherweise nicht abgezäunt und nicht wie eine Kläranlage aussah. „Wasch dich“, schrie eine Stimme unterhalb meiner Gürtellinie. Aber der Bach war mit Brennnesseln bewachsen und der Abstieg war steil. Ich lief noch ein Stück weiter und stand wieder einmal vor einem Zaun. „Jetzt reichts dir!“ schrie die Stimme wieder. Ich überwand also erst den Stacheldraht, dann den Elektrozaun und stand auf einer Kuhweide. Vor mir lag der Bach. Eine Stelle war nicht verbrennnesselt und die Klippe sah nicht ganz so hoch aus. Ich lies also nur meine Wanderschuhe für den Sprung an und hüpfte einen Meter in das kalte, wenige Zentimeter hohe Wasser. Ich wusch mich wie ein Weltmeister. Eine Bremse griff mich an, die ich aus den Socken slappte, sodass sie zu Boden ging. Wasserläufer tummelten sich in einer Ecke und ich hoffte mir keine Infektion zu holen. Als ich fertig war, wusch ich noch meine hart verranzte, eine Woche getragene Buchse. Der Aufstieg war ein Problem. Ich musste etwas durch tieferes Gewässer an eine andere Stelle waten und mit Hilfe meiner Wanderstöcke, die ich in weiser Voraussicht zurechtgelegt hatte, schaffte ich es aus dem kalten Nass. Da die Schuhe klatschnass waren, entschied ich gleich hier auf der Weide zu nächtigen. Ich checkte noch ob die Rinderweide nebenan auch keinen Durchgang zu meiner Weide hatte. Ein plötzlich auftauchender Stier, während ich in meinem roten Polo-Shirt das rote Unterzelt aufstellte, würde mir gerade noch fehlen. Aber alles verlief nach Plan. Ich chillte und las entspannt mein Buch. Nachts weckte mich ein Kläffer oder ein Vogel. Wie dem auch sei, es sollte sterben.

 

Als ich morgens meine Schuhe anziehen wollte, waren diese noch immer klatschnass. Einen weiteren Tag Pause ließen meine Vorräte nicht zu. Also nahm ich die Latschen und weitergelaufen. Ich zog die 15 Kilometer Luftlinie bis nach Guingamp (französisch Chewing gum?) gut durch und klaute auf meinem Weg noch eine Rolle Klopapier in einer Bar. Scheißbollen inkludiert. In Chewing gum angelangt, freute ich mich wie immer über viele Läden und kaufte mir ein neues Buch. „Frown Crown“. Wäre mein viertes. Ich werde noch gebildet. Einem McDonalds am Horizont ging ich in die Falle. Doch die Cheesburger waren ok. Und der Petit Italien auch. Jetzt noch zum Carrefour einkaufen und für Sonntag planen.