Katsching


27.07.2017

Wischnipur

13:07 Uhr

Wetter: Immer noch bewölkt

 

Liebes Logbuch,

 

als ich mich niedergelassen hatte und begann zu lesen, raschelte es immer wieder im Gebüsch. Zuvor hatte ich eine fette, glitschige Kreatur in der Hecke verschwinden sehen. Es musste ein Biber gewesen sein. Ich dachte die wären kleiner. Vielleicht eine Bisonratte. Der nächste Gedanke war, was wenn der Biber den Baum neben mir umholzen würde? Ich checkte noch einmal die Lage um mich herum und als ich hinter den Bäumen ein Pferd sah, war ich beruhigt. Warum auch immer. Selbstverständlich pisste es die ganze Nacht hindurch. Ich überlegte mir, ob ich mich im Regen waschen sollte. Meine letzte Dusche war auch schon wieder achte Tage her. Hygiene ist echt ein Scheißdreck.

 

Als ich am nächsten Morgen erwachte, pisste es noch immer, sodass sich meine Abreise leicht verzögerte. Ales es kurz aufhörte, begann ich schnell zusammenzupacken, doch in dem Moment wo alles draußen lag, ging es wieder los. „Du verfickter Scheißregen!“ schrie ich und baute das klatschnasse Zelt ab und stopfte es in die Zelttasche. Das Innenzelt war nun auch nass. Verarscht hatte er mich, der Regen. Ich kam in der Stadtmitte an und fand zu meiner Erleichterung sofort eine Boulangerie und auch ein Postamt, wo ich endlich meinen überflüssigen Krims-Krams nach Hause schicken konnte. 23 Euro kostete mich der Spaß. Wenigstens zwei Kilo weniger. Der Weg war mühsam. Die Kilometer schienen nicht zu vergehen. Die Route war extrem kurvig, sodass die 20 Kilometer Luftlinie am Ende des Tages auf min. 25, eher 30 rausliefen. Zwischendurch telefonierte ich auch noch mit Jessy. Es war die erste richtige Konversation seit Paris. Ich machte viele Pausen. Es war eine Quälerei.

 

Irgendwann beschloss ich ein Bier zu trinken, um etwas Gelassenheit in meine müden Knochen zu bringen. Vier Bars an denen ich vorbeilief waren geschlossen. Der Tag war scheiße. Ich lies mich geschafft auf einem kleinen Stück Wiese hinter einem Haus nieder musste erstmal das Zelt trocknen lassen. Ich saß auf meiner Jacke und las bis es wieder anfing zu nieseln. Ein Teil des Zeltbodens war trocken, sodass ich mich wenigstens rein hocken konnte. Den oberen Teil trocknete ich vor dem Schlafengehen mit meiner versüfften Buchse ab. Des Weiteren fand ich heraus, dass die Fähre von Roscoff nach Irland nur freitags fährt, sprich fünf Tage nachdem ich angekommen war.

 

Dementsprechend unmotiviert begann ich den nächsten Tag. Ich hatte acht Tage Zeit um 80 Kilometer zu bewältigen. Ich schlenderte los und war plötzlich von einer Leichtigkeit erfüllt. Der Druck war weg, ich konnte schlendern so viel und so lange ich wollte. Im nächsten Dorf angelangt fand ich erstmal einen Geldbeutel mit 67,78 Euro und einen schwarzen Stein darin. Da keine Karten etc. darin enthalten waren und ich nicht wusste, wo ich ihn hätte abgeben sollen und ich ihn  nicht liegen lassen wollte, da ihn sonst jemand anderer genommen hätte, lies ich ihn mit ominös dreinblickendem Dummhirngesicht in meine rechte Hosentasche gleiten und ging einkaufen. Im Supermarkt um die Ecke. Drei Kilometer weiter fand ich einen versüfften Brunnen und eine Tischgarnitur, wo ich mich niederpflanzte. „Soll ich heute noch weiterlaufen?“ Das ist die große Frage der Fragen. „Und soll ich mich mit dem Dreckswasser waschen?“ Ich leg erstmal ein Ei und dann sehen wir weiter.