Von Kilometern und Meilen


22.07.2017

Wischnipur

14:00 Uhr

Wetter: Es pisst wie aus Kübeln

 

Liebes Logbuch,

 

Die gestrige Weiterreise gestaltete sich schwierig. Museumsbesuche sind, wie schon erwähnt, der Motivationskiller schlechthin. Wieder einmal bewies sich die französische Küche als bescheiden und ich verlies schlapp die Lokalität. Die Kilometer schienen stillzustehen. Ich erschrak immer wieder, als ich aufs Navi schaute, bis ich verzweifelt auf einem Stein vor einer Kapelle, in welcher eine französische Fotografin ihre Bilder ausstellte, zusammensackte. Wieder steig der Wunsch nach einem Fernseher und einem Bett in mir auf. Als ich nach Saint Louis wieder aufs Navi sah, hatte ich seit dem Mont Sankt Michel erst acht Kilometer zurückgelegt. „Des kann überhaupt net sein!“ schrie ich und da fiel mir auf, dass das Kack-Navi selbstständig die Entfernungseinheit auf Meilen umgestellt hatte. Ich wählte die Einheit metrisch und siehe da, ich hatte 13 Kilometer Luftlinie zurückgelegt. Kein Wunder, dass ich so am Arsch war.

 

Die plötzliche Erkenntnis über den Erfolg stimmte mich sehr zufrieden. Humpelnd kam ich in der nächsten Stadt an. Eine Frau faselte etwas von zwei Kilometern, bis zur nächsten Boulangerie. Mir kam es länger vor, aber sie war zumindest nicht geschlossen. Ich deckte mich ein. Und machte eine letzte Pause, bevor ich mich auf die Schlafplatzsuche begab. Am Ortsausgang entdeckte ich ein Schild, das besagte, dass hier das Zelten strengstens verboten sei. Ich schnaufte und lief noch ein gutes Weilchen, bis ich in eine Seitenstraße einbog und mich neben einen Acker strackte. Der Boden war ackerig, wie der Acker selbst. Erschöpft aber zufrieden flezte ich mich hin. In dem Moment begann es zu regnen. Gutes Timing“, dachte ich und nahm zu Jeromes Geburtstag eine Sprachnachricht auf. Die Fertigkeit überkam mich und ich schlief trotz der lauten Regentropfen schnell ein. Meine Träume waren allerdings höchst strange, sodass ich schweißgebadet in meinen Klamotten aufwachte. Ich entkleidete mich und träumte weiter Scheiße.

 

Um 10:30 Uhr packte ich zusammen und schlenderte los. Letzter Tag vor dem Sabbath. Der Himmel war mit Wolken behangen. Als ich acht Kilometer Luftlinie zurückgelegt hatte, suchte ich ein Restaurant auf und in dem Moment begann es abermals zu pissen. „Gutes Timing“, dachte ich. Ich orderte das Menü des Tages und als es noch immer pisste, auch das Dessert des Tages. Beides war extrem gut für den Preis von 12,50 Euro.

 

Es hat aufgehört zu regnen. Ich muss los.