Mont-Saint-Michel


21.07.2017

Wischnipur

12:30 Uhr

Wetter: Bewölkt, starker Wind

 

Liebs Logbuch,

 

erschmal Proschd! Heineken hab ich mir reingestellt. Nach zwei Kilometern der Tagesstrecke darf man sich des schon mal gönnen. Um halb eins.

 

Ich band meine Klamotten auf meinen Rucksack, verabschiedete mich von der netten Dame und erkundete noch etwas Avranches. Es war eine sehr schöne Stadt mit vielen Steinbauten. Nach Saint-Lô dirigierten die Alliierten ihre Soldaten nach Avranches. Danach begann Operation Cobra.

 

Eine Inschriftentafel des Gedenksteins aus dem 1. Weltkrieg, wurde bei einem Bombenangriff beschädigt. Teile des dicken Metalls waren durch Granatsplitter wie Knetmasse verbogen worden. Ich verpflegte mich noch und stylte los Richtung Meer. Zack, Berg runter. Als ich hinter einem Dorf hervorkam, wurde die Landschaft weit und immer weiter. Das Weideland, auf dem hunderte Schafe grasten, war kilometerlang. Bis zum Horizont, wo eine Burg auf einem Berg emporragte. Der Anblick verlupfte mir doch glatt den Strohhut. Es sah aus wie die Festung von Gondor. Ich umlief die Weide ca. fünf Kilometer, landete in Pontaubault, wo ich mir ein abartiges Mandelcroissant rausließ, das hervorzuheben ist. Ich hockte mich auf eine der Bänke und lernte mal wieder etwas französische Grammatik. Ich hatte vor einige Souvenirs, sowie die fertig gelesenen Bücher, nach Hause zu schicken.

 

Der weitere Wanderweg führte zu meiner Überraschung mitten durch das Weideland, das vom Navi als Feuchtgebiet beschreiben wurde. Ich lief mitten durch Kuh- und Schafherden und das Land wurde weiter und weiter. Es war unglaublich schön. Der Berg samt Schloss, wie ich dann erfuhr, war das Unesco Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel. Immer zur Springflut steigt das Wasser im Watt drumherum bis zu 14 Metern an, sodass aus dem Berg eine Insel wird. Als ich 15 Kilometer absolviert hatte, lies ich mich auf der riesigen Weide nieder und begann zu lesen. Als Franzosen via Fahrrad an meinem Zelt lachend vorüberfuhren, wurde mir mulmig zumute. Der Berg lag ca. vier bis fünf Kilometer weit entfernt. Ob sich die Flut so stark erheben würde, dass sie mich nachts im Schlaf überrumpeln könnte? Ich googelte und schlug mir den Quatsch wieder aus dem Kopf. Was für ein Unsinn. Hier wächst Gras und Schafe laufen rum.

 

Selbige weckten mich an nächsten Morgen auch, als sie mähend an meinem Zelt vorüberliefen. Es war gerade mal halb acht und ziemlich frisch. Der Daunenschlafsack hielt allerdings gut warm und ich schlief noch ein Stündchen. Ich begab mich auf den Weg zum Mont-Saint-Michel, was einen Umweg von mindestens fünf Kilometern zur Folge hatte. Das Städtchen war schön und erinnerte mich stark an die Winkelgasse von Harry Potter. Es war extrem überfüllt. Ich holte mir Museumstickets, die ihr Geld leider nicht wer waren. Einzig die alten Waffen, Uhren, Funde und Reliquien weckten mein Interesse. Die Aussicht von der Burgmauer über das Watt war ebenfalls imponierend. Als ich die Zwei-Kilometer-Brücke zurückgelaufen war, setzte ich mich ins nächste Restaurant und orderte das Tagesmenü für zehn Euro.