Avranches


20.07.2017

Wischnipur

11:30 Uhr

Wetter: Regen

 

Lovely Logbook,

 

ich war guter Dinge. Der Weg entpuppte sich allerdings als bergig, sodass ich ordentlich ins Schwitzen kam. Dennoch, die Gedanken war gut und refreshing. Als ich vor einer Notre Dame auf dem Boden saß und meinen letzten Schluck Wasser leerte, stellte ich fest, dass das Wasser leer war. Ich lief noch ein Stück und gelange an eine Parallelstraße einer Autobahn. Hinter einem Zaun erkannte ich eine Shell Tankstelle. Die ersten drei Türen waren abgesperrt, sodass ich den Zaun 500 Meter umlaufen musste, bis ich endlich einen Essens- und Souvenir-Shop aufsuchen konnte und drei Liter Wasser und Orangina erwarb. Zufrieden lief ich zurück, lief durch die Unterführung auf die andere Seite der Autobahn und gelangte nach vielen Windrädern an eine schöne Wiese mit tausenden von Grashüpfern, wo ich mich niederlies. Das Dynamogeräusch des Windrads war deutlich zu vernehmen, doch blendete es alle Naturgeräusche aus, sodass ich gut schlafen konnte.

 

Ich erwachte früh. Um 8:00 Uhr trottete ich bereits von dannen. Der Weg war schön und erinnerte mich, mit seinen vielen Weiden und bergigen Landschaften, an das Gäu. Ich kam außerdem an einer Hundezucht vorbei. Die ca. 30 Doggies machten einen Heidenlärm, als ich an ihnen vorbeilief. Ein Pferd, das im Hausgarten stand kam auch her, um meine Hand zu beschnuppern. Mein Elan wurde zunehmend schlechter und ich machte immer mehr Pausen, schloss teilweise die Augen, weil ich wohl doch zu wenig Schlaf abbekommen hatte. Ich hatte das Bedürfnis einen Tag Pause zu machen, da das Wetter sau schwül war. In einem Dorf ging das Wasser leer und ich fragte einen Herrn im Rathaus nach welchem. Beim Auffüllen versaute ich das Bad, da der Hahn etwas größer als die Öffnung der Flasche war. Als Gegenleistung half ich dem Herrn eine Gefriertruhe in sein Auto zu hieven. „Es wird Regen geben“, meinte er. Der dunkle Himmel war mir auch schon aufgefallen. „Gott sei Dank“, sagte ich. Ich war der Meinung, dass es sich nur um Regenwolken handelte und schlug mein Zelt nach 14 Kilometern Luftlinie auf einer Weide auf. Nebenan war ein kleiner Weiher und ein paar Bäume, alles ca. zehn Meter Sicherheitsabstand entfernt, wie ich es im Internet gelesen hatte (falls ein Blitz einschlägt). Meine Wanderstücke steckte ich in große Heuballen, als Blitzableiter. Als ich das nochmal überdachte, erkannte ich meine geistige Behinderung und nahm sie wieder runter. Plötzlich donnerte es und wenig später war der Himmel von Blitzen durchzogen. Es regnete jedoch nicht, was die Situation noch etwas unheimlicher machte. Es wurde mir zu brenzlig auf der Weide neben dem Metallgestänge des Zeltes und ich machte, dass ich fortkam. Der Weiher nebenan gehörte zu einem Haus, welches mit einem Blitzableiter bestückt war. Es begann zu pissen. Ich klingelte, um für eine kurze Zeit Obdach zu erbitten, es öffnete jedoch niemand. Ich stellte mich also unter das Dach der Terrasse, spielte Polytopia und wartete das Gewitter ab. Als der Regen vorüber war und es nur noch vereinzelt donnerte, lief ich zum Zelt zurück. Plötzlich überkam mich die Fertigkeit. Es donnerte noch einmal und hoffend diesen Tag zu überstehen, legte ich mich hin und schlief ein.

 

Ich erwachte im knallheißen Zelt am späten Nachmittag. Die Sonne war herausgekommen und ich verfluchte sie. Ich legte mich raus auf mein Handtuch und kämpfte jede Stunde gegen eine Bremse, die sich auf meine Brust setzte. Als es kühler war begab ich mich wieder ins Zelt und las bis zur Dunkelheit. Nebenbei buchte ich noch ein Hotel in Avranches mit 9,7 Sternen. Mein Unwusch war mir zu heikel geworden. Der Wolf, den ich mir zwischen Sack und Oberschenkel gelaufen hatte, schmerzte und drohte sich zu entzünden. Duschen. Ich musste duschen.

 

Der Marsch am nächsten Tag war hervorragend. Ich absolvierte 14 Kilometer Luftlinie in 3,5 Stunden, mit einer Essenspause dazwischen. Ich ließ mir ein schmackhaftes Menü für 12,90 Euro raus. Meine Essensvorräte waren nicht mehr existent. Unterwegs sah ich ein weißes Pony und eine braune Ziege, im selben Gehege. Als ich näher kam bemerkte ich, dass es sich um ein kleines Pony handelte. Es war winzig und hopste verspielt um die genervte Mutter herum. Als ich um 13:30 Uhr in Avranches angelangt war, erschauderte ich erst einmal beim Anblick des faszinierenden Friedhofs. Er war übersäht mit alten Gräbern und Mausoleen. Was weniger cool war, war der Berg auf dem Avranches lag. Er war steil wie die Sau. Als ich im Hotel „La Boudrie“ ankam, öffnete eine nette Frau die Tür. Obwohl der Bezug erst ab 18:00 Uhr freigegeben war, führte sich mich, ohne etwas darüber zu erwähnen, in mein Zimmer. Sie redete wie ein Wasserfall und ich verstand jedes Wort. Sehr nett.

 

Als sie mir alles erklärt und gezeigt hatte, überlies sie mich meinem Schicksal. Ich steuerte schnurstracks ins Bad, wo sich die Raindropdusche in einer engelsgleichen Erscheinung vor mir erbarmte. Ein Chor sang in meinen Ohren, der Dreck perlte sich quasi selbst von meiner Haut ab. Es war herrlich. Ich nahm einen Waschlappen zur Hand und schruppte mich wund. So sauber war ich wahrlich noch nie zuvor gewesen. Zwölf Tage ohne Wusch! Jede Berührung meiner Haut ließ sie abperlen, es war widerlichst. Ich vergas die Zeit. Der Vorgang dauerte nicht weniger als eine halbe Stunde. Anschließend flackte ich mich nieder und lud meine Geräte auf. Als ich um 18:37 Uhr auf die Uhr sah, fiel mir ein, dass ich noch eine gescheite Powerbank kaufen wollte. Es gab einen Laden, der um 19:00 schloss. Ich spurtete los, war um 18:50 Uhr vor Ort. Keine Powerbank, sagte der Dude. Der Handyladen nebenan allerdings hatte eine. 50 Euro. Oh fuck. Aber trotzdem gekauft, nachdem ich in einem anderen Laden noch Preise verglichen hatte. Anschließend holte ich mir noch Magnesium, Geld von der Bank, Süßes und ging zum Italiener Calzone essen und ein Becks verzupfen. Geil wars. Ich war mehr als zufrieden. Ich steuerte hotelwärts und legte mich flach. Dann fiel mir ein, dass ich noch Wäsche waschen musste. „Was ein Dreck“, dachte ich. Widerwillig wusch ich meine Klamotten und hängte sie auf. Ich las bis 0:40 Uhr und knipste dann das Licht aus. Schlafen konnte ich allerdings nicht, also las ich das Buch vollends fertig.

 

Um 10:45 Uhr erwachte ich, statt um 9:00 Uhr, wie ich der Dame zugesagt hatte. Das Frühstück stand bereits auf dem Tisch. Es war herrlich. Crêpe, selbstgemachte Marmelade, Brot, Schokocroissants (vermutlich auch selbstgemacht) und Kaffee. Hammer. Meine Wäsche ist noch nicht trocken, daher habe ich noch gewartet, doch nun ists genug. 12:30 Uhr ist es. Ich muss los.