Französischer Nationalfeiertag


16.07.2017

Wischnipur

12:14 Uhr

Wetter: Bewölkt

 

Tach Löggchen,

 

als ich fünf Kilometer später in einem Kaff gegen 13:00 Uhr Pause machte, deckte ich mich für 20 Euro mit Essen ein. Unter anderem einen Liter Schokomilch, die vermutlich für das Rumoren in meiner Magengegend verantwortlich war und schließlich zu Dünnpfiff führte. Eine kleinere, mit Luftbläschen durchzogene Schokosoße. Sah eigentlich gar nicht so schlecht aus. Ein Schließmuskel hatte einmal etwas zu spät die Schotten dicht gemacht, sodass ich mir nicht ganz sicher war, ob ich mich eingeschissen hatte, aber alles roger in Kambotscha. Als ich abends in Castilly ankam und die Kirche und den alten Friedhof davor sah, hatte ich das Bedürfnis beten zu gehen, welchem ich nachgab. Die Kirche war leider geschlossen. Ich sah mir stattdessen die alten Gräber an. Teilweise aus dem 19. Jahrhundert.

 

Als ich eine Weide mit dem grünsten und schönsten und weichsten Gras der ganzen Welt fand, platzierte ich mich dort und las.

 

An 14.07., das Datum wird mir für immer in Erinnerung bleiben, erwachte ich und begab mich auf den Weg nach Saint-Lô. Auch bekannt als „die Hauptstadt der Trümmer“, da sie im 2. Weltkrieg gut zerbombt wurde. Ich war guter Dinge. Es war die erste Strecke, wo ich auf keine Zwischenstopps stoßen würde, nach den ganzen Museen etc. Ich kam gut voran, redete mit Qse und Qüshe und sah Vogelküken. Seit der Begegnung mit Simon und seiner Bordercolli-Lady Alba, stieg immer wieder der Wunsch in mir auf, mir einen Hund zuzulegen. Auf der Reise wäre es der optimale Wegbegleiter. Mama und Opa hätten auch etwas davon, jetzt da Jessy das zeitliche gesegnet hatte. Als mich das Navi über einen Hof führte, liefen mir drei kläffende Hundis wedelnd entgegen. Sie waren stark verängstigt, aber treudoof, als würden sie von ihrem Herrchen schlecht behandelt werden. Der eine war von mir besonders angetan. Als ich aufstand und ging, dackelte er mir hinterher. Ich bückte mich immer wieder, um ihn zu kraulen und als er Anstalten machte mitzukommen und ich schon bereit war ihn mitzunehmen, stoppte er, blickte sich um und traf dann doch die Entscheidung wieder zurückzukehren.

 

Um die Mittagszeit kam ich an einem Proxy an, der gerade Midi hatte, also Mittag bis 14:30 Uhr. Da es 13:30 Uhr war und ich eh Pause machen musste, passte das. Ich aß mein letztes Brot, was von dem 20 Euro Einkauf übrig war und chillte. Die Zeit verging, aber der Laden machte nicht auf. Drei Mal rüttelte ich an der Tür, doch drinnen blieb alles dunkel. Plötzlich erkannte ich, dass ein handgeschriebener Zettel von Ihnen an die Tür geklebt war, auf dem stand „14. Juliet nur bis 12:30 Uhr geöffnet“. Ich überlegte kurz, ob ich randalieren sollte. Wie kann man so blöd sein und den Zettel falschrum an die Scheibe kleben?? Blödes Arschloch. 1,15 Stunden habe ich verloren, mein Essen war weg und der nächste Laden war in Saint-Lô, 13 Kilometer entfernt, die ich jetzt laufen musste. Etwas grätig nahm ich den Rucksack und spurtete los. Die Kilometer purzelten so dahin, bis ich um 17:45 Uhr auf einer Bank in Saint-Lô Platz nahm. Ich war gut bedient. Ich checkte mein Handy nach Einkaufsmöglichkeiten und fand selbige en masse. Ich marschierte also los und als ich bei einer Pizzabude vorbeilief, gönnte ich mir eine! Mit Merguez. Sie war brutal. Wiederum checkte ich die Navigation. Dabei bemerkte ich, dass heute französischer Nationalfeiertag war, was der arabische Pizzabäcker mir davor auch schon versucht hatte zu erklären. Mir wurde so einiges klar und ich merkte, dass ich verkackt hatte. Dennoch fand ich glücklicherweise eine geöffnete Boulangerie und kaufte Brot ein. Genug Brot. Müde suchte ich mir einen Schlafplatz und fand einen, relativ zentral auf einer Weide, mit vielen Strohballen. Ich schlug mein Zelt auf und las. Plötzlich hörte ich es knallen. Wieder und wieder. Ich stutzte. Kein Geschrei oder Sirenen. Das Geknalle hörte nicht auf und wurde schlimmer. Als es dunkel geworden war, legte ich das Buch beiseite und versuchte zu schlafen. Ab dem Zeitpunkt ging das Geballer richtig los. Aus vollen Kanonen. Das Feuerwerk, das ich hinter der Hecke nicht mal sehen konnte, dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis es verstummte. „Schönen französischen Nationalfeiertag“, dachte ich und schlief ein.

 

Jubiläum. Am 15.07. war ich zwei Monate unterwegs. Nach all den Sehenswürdigkeiten kam mir die Zeit ewig vor und ich hatte erste die Hälfte geschafft. Unglaublich. Ich erhob mich und da ich zwar gut versteckt, doch umringt von Häusern war, schiss ich vorsichtig in mein Vorzelt, wo mich keiner sehen konnte. Es klappte erstaunlich gut, auch der Abbau des Zeltes verlief reibungslos. Zuerst einmal suchte ich den nächstgelegenen Aldi auf, wo ich mich eindeckte. Ich fand auch das krasse Quellwasser wieder, welches mir ein netter Herr in die Hand drückte, als ich ihn nach Wasser fragte. Es ist hervorzuheben:

 

Saguaro -Eau de Source 2 Liter

 

Ich kaufte vier Liter. An nächsten Tag würde ich Pause machen. Ich setzte mich noch vor den Aldi um zu essen, bis mir der miefende Geruch des Wassers neben mir in die Nase stieg und ich mich auf die Socken machte. Die Leichtigkeit des Rucksackts überraschte mich. Als ich ein paar Kilometer gelaufen war, hatte ich keine Lust mehr. Die letzte Pause war am 07. Und ich war gezeichnet. Zudem entdeckte ich einen wunderschönen Spot und nach kurzer Überlegung schlug ich mein Lager auf. Ich war glücklich, pflegte mich etwas, kümmerte mich um meine Sachen und begann dann zu zocken und dann zu lesen bis abends.

 

Heute erwachte ich früh. Als ich bemerkte, dass es regnete, sprang ich auf und holte meine Fressalien herein. Den Nasenzwicker darin warf ich raus. Ich legte mich wieder hin und schlief bis 12:00 Uhr.