Das Grab der Soldaten


13.07.2017

Wischnipur

16:06 Uhr

Wetter: Es wird wieder wärmer, aber noch angenehm

 

Liebes Logbuch,

 

während die Kamera lud, habe ich mir eine gute Runde Polytopia, den Handyspielklassiker für Groß und Klein, gegönnt. Anschließend machte ich mich auf. Ich lief an einer der metallenen Brücken der Alleierten vorbei zum letzten Museum. Es hatte viel Interessantes zu bieten. Besonders krass war die Metallglocke, mit zahlreichen Ein- und Streifschusslöchern. Es war ein kleines Museum, der Besuch war daher nicht besonders lang. Eine Cola und ein Panini mit viel zu viel Curry musste ich mir noch rein pfeifen. Weiter ging es Richtung La Cambe. Gegen 18:00 Uhr überkam mich aber die Müdigkeit und da ich eine offene Weide fand, nahm ich mir für den Rest des Tages frei und las.

 

Ich schlief wie immer, seitdem Tromml den Abgang gemacht hatte, schlecht. Halbschlaf, Paranoia, Albträume, schlecht. Doch der Morgen begann entspannt. Nach kurzer Wegstrecke kam ich an einer Weide vorbei, wo eine Kuh gerade erste ein Kälbchen geworfen hatte. Es versuchte sich an den ersten Gehversuchen. Mama Kuh stützte es behutsam mit der Schnauze. Doch es war noch zu schwach zum Aufstehen. Ich beschloss hier zu frühstücken und das Geschehen noch einige Zeit zu beobachten. Der weitere Weg nach La Cambe ging problemlos. Gute acht Kilometer verpackte ich ohne Pause machen zu müssen. Am Dorfzentrum angelangt, kaufte ich ein und aß. La Cambe wurde am 08.06.1944 von der 29th Division der amerikanischen Infanterie, die auch am Omaha Beach gekämpft hatten, befreit. Zwei Kilometer westlich lag einer der deutschen Militärfriedhöfe. Über 21000 Tote waren hier begraben. Im Informationszentrum waren Geschichten einzelner Schicksale und Memoiren von Augenzeugen ausgestellt. Ein deutscher Soldat berichtete über die Ereignisse bei Omaha Beach, ein anderer darüber, dass eine Bombe in den Unterschlupf eingeschlagen hatte und er seine Kameraden teilweise mit der Schaufel vom Boden kratzen musste, da sie durch die Hitze wie geschmolzen waren. Auch der Satz auf dem Gedenkstein gab mir schwer zu denken:

 

Dunkel wölbt sich der Hügel

Über dem Grab der Soldaten

Dunkel steht Gottes Gebot

Über den Toten des Krieges

Hell aber leuchtet der Himmel

Über den ragenden Kreuzen

Heller noch leuchtet ihr Trost

Gott hat das letzte Wort

 

Ich schaute nach einem Jendzurek in den Totenbüchern, fand allerdings nur Jedzerzkis. Als ich mich wieder von dannen machen wollte, kam ich noch ins Gespräch mit ein paar Österreichern, die mich bereits das dritte Mal gesehen hatten. Das erste Mal wohl in Arromanches. Wir schwätzten ein wenig (ich bin das andauernde Widerholen meiner Story leid) und ich ging weiter. Bei der nächsten Biegung kam ich abermals an einer Weide vorbei, wo wieder eine Kuh ein Kälbchen geworfen hatte. Ist heute Muttertag? Es hat es eben geschafft aufzustehen und tapst und hüpft unbeholfen um die Mutter herum, um sie zum Spielen aufzufordern und staubt hier und da einen Schluck Milch ab. So, genug der Worte, weiter geht’s.

 

Morgendliche Memoiren:

 

Zwei unförmige, dunkelbraune, mittelgroße Klumpen bilden die Stoßtruppen. Als der Weg freigeräumt war, bewegte sich das Kriegsschiff langsam in ehrfürchtigem Tempo dem Grunde der Wiese zu. Bodenkontakt des Giganten zwang mich dazu etwas an Höhe zu gewinnen. Leider hatte ich den Winkel nicht richtig berechnet, sodass Brown Leader One eine Millisekunde aufrecht stand und dann vorwärts auf meinen rechten Meindel Schuh kippte.