Juno und Gold Beach


11.07.2017

Wischnipur

20:37 Uhr

Wetter: Bewölkt und windig

 

Currahee Logbuch,

 

der Gunnery Seargent meldet sich in persönlicher Angelegenheit aus Omaha Beach.

 

Die Schlafplatzsuche hätte schlimmer sein können. Am Ortsausgang stolperte ich über einen Vier-Sterne-Campingplatz. Da die Rezeption nicht besetzt war, fragte ich im Restaurant nach dem Preis. 17 Euro war mir dann aber doch zu teuer. Ich legte mich also auf der anderen Straßenseite hinter die Büsche. „Die können mich mal“, dachte ich. Der Sonnenuntergang wäre mir auf dem Campingplatz bestimmt entgangen.

 

Der nächste Tag begann. Ich hatte Sword Beach hinter mir gelassen und war in Courseulles-sur-Mer, dem Zentrum von Juno Beach und Landebereich der kanadischen Truppen angelangt. Shermans und MGs wiesen den Weg zum Juno Beach Centre, das ebenfalls eine gute Sammlung an Wummen vorzuweisen hatte. Bunker und Geschichtstafeln umgaben das Center. Die Kanadier hatten in Frankreich 55.000 Verluste zu bedauern. Für jeden toten Kanadier war eine Moonblume in ein Becken gelegt worden. Eine solche Moonblume schmückt nun auch meinen Rucksack. Die Landezone Juno war die erfolgreichste des D-Days gewesen. Ich kam auch an einem Panzer vorbei, der nach 60 Jahren wiedergefunden wurde. Er fuhr damals unglücklich in einen Graben. Die Besatzung starb, bis auf zwei Schwerverletzte. Der Panzer wurde als Brücke verwendet und verschüttet.

 

Nach Juno Beach folgte recht schnell Gold Beach, erneut eine britische Landezone. Zwischendurch snackte ich mir einen Burger rein und lud meine Cam im Restaurant auf. Weitere Panzer und Denkmäler folgten. Der Strand von Gold Beach war, warum auch immer, mit abgebrochenen Hölzern übersäht. Hier und da kam ich an zerstörten Schützentürmen vorbei. Vor mir entdeckte ich riesige Bunker im Meer. Ich war zuerst der Meinung, dass es sich nicht um Überbleibsel des Krieges handeln konnte, so weit von der Küste entfernt. Tatsächlich handelte es sich um Überreste eines Hafens. Nachdem die Briten Arromanches-les-Bains eingenommen hatten, errichteten sie Port-Winston, um schnellstmöglich für Nachschub sorgen zu können. Im Laufe der nächsten 100 Tage wurden hier 220.000 Soldaten, 530.00 Tonnen Zuig und 39.000 Vehikels abgeladen. Es war beeindruckend. Ich erklomm die Erhöhung zu Seiten der Stadt und der Panoramablick war wirklich atemberaubend. Die steilen Felswände, das Meer, die Überreste der Brücke, die untergehende Sonne… Überhart!

 

Glücklich und kaputt lief ich den steilen Weg in die Stadt hinab. Fette Kriegsmaschinerie begrüßte mich. Ich schaute mir alles an, schoss genügend Fotos und setzte mich erschöpft auf eine Mauer am Strand. Ich snackte die Camembert Salami, aß Baguette und trank einen feinen Schluck D-Day. D-Day ist ein Bier. Man ist ja nicht von gestern. Wieder überkam mich dieses surreale Gefühl, als ich sah wie ein kleiner Junge, der gerade mal im Stande zu laufen war, einem Ball hinterher stammelte. Dieser wunderschöne Strand mit all den Wrackteilen im Hintergrund… Eigenartige Erscheinung. Ich entschied mich dagegen sitzen zu bleiben und den Sonnenuntergang zu bestaunen. Dafür hatte ich noch genug Gelegenheiten. Ein Schlafplatz musste her. Es war schließlich schon 20 Uhr. Ich erklomm also auf der anderen Seite der Stadt dieselbe Erhöhung und wanderte noch ein ganzes Stück an den Steilklippen entlang. Der Sonnenuntergang musste hier herrlich sein. Ich spielte mit dem Gedanken hier mein Zelt aufzuschlagen, doch ein Verbotsschild hielt mich davon ab. Die Strafe dafür wäre sicherlich verheerend. Ich bog also links ab, lief an einer Straße entlang und fand mal wieder eine Weide, auf der ich mich niederließ und schnellstens die Äuglein schloss.

 

Der nächste Tag begann mit Selbstdiskussionen und Entertainment. Auf dem Weg zum lang ersehnten Omaha Beach traf ich nach zwei Kilometern auf die deutsche Küstenbatterie von Longues-sur-Mer. Damit hatte ich nicht gerechnet. Vier Stahlbetonbunker mit 152 mm Artilleriegeschossen. Ein weiterer Aussichts-Bunker befand sich ca. 100 Meter weiter vorne bei den Klippen. Mit einer Reichweite von über 12.000 Fuß waren sie eine große Gefahr für Gold und Omaha Beach. Beeindruckend waren die starken Gefechtsspuren. Die Einschläge der Projektile waren mehr als handgroß. Die Airborne schaffte es allerdings nicht die Kanonen zu zerstören. Kriegsschiffe lieferten sich heftige Duelle mit den Kanonen und brachten sie immer wieder zum Schweigen. Am 07.06. wurde die Batterie dann von den Briten gestürmt. Ein kleines Stück weiter gelangte ich nach Port-en-Bessin, der zu keiner Landezone gehörte. Er wurde von den Briten nachdem sie angelegt hatten von Osten aus attackiert. Dort gönnte ich mir eine Quatro Formaggi Pizza mit sau viel Fromaggi!! Sightseeing macht schließlich hungrig und ist mindestens genauso anstrengend wie Wandern. Ich grübelte, ob ich einen drei Kilometer Umweg einschlagen und zum „Museum of undersea wrecks“ gehen sollte. Die Bilder im Internet sagten: „Ja“.

 

Es waren tatsächlich krasse Funde dabei. Teile gesunkener Schiffe, ganze Panzer mit Schiffspropellern, Equipment, Torpedos, Kanonen, etc. Ich erwarb eine Patronenhülse mit dem deutschen Reichsadler auf der Unterseite, die im zweiten Weltkrieg abgefeuert und auf dem Grunde des Meeres gefunden wurde. Wer weiß welche Seele der Patrone zum Opfer gefallen ist. Der Umweg hatte sich also gelohnt. Zufrieden trat ich den letzten Kraftakt des Tages an und wanderte Richtung Omaha Beach. nach anstrengenden acht Kilometern an der Straße entlang…

 

ES GIBT KEINE GEHWEGE HIER. AUCH KEINE ROUTEN DIE MAN LAUFEN KÖNNTE.MAN MUSS AUF DER HAUPTSTRASSE LAUFEN. IST DOCH NICHT ZU FASSEN. ACHT KILOMETER!?!?!

 

…erreichte ich fertig Colleville-sur-Mer aka Omaha Beach! Das Big Red 1 Museum hatte leider bereits geschlossen. Ich lief also weiter zum D-Day Museum. In der Stadt waren Bilder der amerikanischen Befreier aufgehängt worden, unter anderem vor einer zerstörten Kirche, die neu errichtet wurde. Das D-Day Museum zeigte die komplette Entwicklung des Kriegs, natürlich speziell die Ereignisse des D-Days. Es war auch höchst interessant einmal deutsche Uniformen und Panzer zu sehen. Man konnte den qualitativen Unterschied deutlich erkennen. Als ich ging, kaufte ich mir ein Glasbehältnis, mit der Aufschrift Omaha Beach. Ich würde sie morgen mit Omaha Beach Sand befüllen. Gott sei Dank befand sich vor dem Museum ein Grünsteifen, auf dem ich kampieren kann. So kann ich morgen doch noch ins Big Red 1 Museum. Strike. Duschen sollte ich auch mal wieder. Die letzte war vor vier Tagen. Ich klebe seit drei.