Auf den Spuren des 2. Weltkrieges


09.07.2017

Wischnipur

19:09 Uhr

Wetter: Mittlerweile wolkig

 

Buongiorno Logbuch,

 

die Situation ist mir gestern zu heikel geworden. Die suspekten Herren waren vermutlich Fahrraddiebe. Immer wieder verschwanden sie in Büschen und kamen mit Bikes heraus. Sehr seltsam. Ich fand nicht viel weiter einen Campingplatz, aber dazu später mehr.

 

ich verbrachte den Tag also nicht am Strand, sondern lief. Zu langer Stillstand macht ein schlechtes Gewissen. Nach ein paar Kilometern entdeckte ich ein Schild auf dem stand: „Normandie 1944 - Overlord L’Assaut“. Ich hatte also den östlichen Strandabschnitt des Großangriffs vom 06. Juni mit Codenamen „Sword Beach“ erreicht. Mein Interesse war geweckt und motivierte mich bald mehr Sehenswertes zu erblicken. Ich folgte also dem Schild, das weg von der Küste nach Merville führte, wo das erste Museum auf der D-Day Route lag. Hier wurde nach mehreren erfolglosen Bombardements vom 05. auf den 06. Juni endlich die deutsche Flugabwehrstellung zerstört, was zu den Primärzielen gehörte. Ich schoss ein paar Fotos von außerhalb und zog weiter. Ein Besuch in sämtlichen 94 Museen und Gedenkstätten war einfach nicht drin.

 

Der weitere Weg führte mich an wundervollem, weiten Bioland vorbei, das übersäht war mit violetten Blumen bis zu den Dünen, hinter welchen das Meer verschwand. Die Strecke zog sich allerdings. Um die Orne (Fluss) überqueren zu können, musste ich fünf Kilometer landeinwärts laufen, was einen enormen Umweg bedeutete. Denselben Weg musste ich schließlich auf der anderen Seite wieder zurücklaufen. Immerhin überquerte ich bei dem Umweg die Pegasus-Brücke (ursprünglich Bénouville Brücke), die ihren Namen zu Ehren der britischen Airborne erhielt. Die Fallschirmjäger unter Major Howard, waren die ersten Soldaten, die Fuß auf deutschen Boden setzten.

 

Als ich den langwierigen Weg auf der anderen Seite der Orne zurücklief, es war 20:20 Uhr, entdeckte ich den perfekten Grillplatz samt Bänke und Tische, den ich leider aufgrund von Banditen aufgeben musste. Die drei Hasenfamilien auf dem Weg heiterten mich etwas auf. Schließlich gelangte ich zu einem Campingplatz. Preis 6,50 €. Katsching. In mein Tasche rein. Da die Rezeption nicht besetzt und kein Angestellter in Sicht war, ging ich einfach rein und machte mich auf Platz Nummer 235 breit. Ich bezog mein Zelt und gab „The Seventh Scroll“ noch eine Chance. Anfangs war ich gelangweilt von der schnellen Schreibweise. Ich revidierte meine Meinung, las bis zur Dunkelheit und schlief dann selig ein. Gut auch, muss ich sagen.

 

Morgens suchte ich die Rezeption auf, um zu zahlen. Ich hätte zwar auch ohne Probleme rausmarschieren können, aber Karma ist bei solch einem Wanderunterfangen nicht zu verachten. Die Chinesin händigte mir ein Ticket für den heutigen Tag aus. ich erklärte ihr erneut, dass ich jetzt gehen würde und bereits hier geschlafen hätte und ging dann auch.

 

Ich freute mich auf die Zeitreise in die 40er Jahre, die mich erwarten würde. In Ouistreham besuchte ich zuerst einmal das Atlantik-Wall-Museum. Der große Bunker war das Headquarter der deutschen Armee, welcher bis aufs kleinste Detail restauriert wurde. Der Atlantik-Wall war das größte Bauprojekt des 20. Jahrhunderts. Zwei Millionen Arbeiter waren drei Jahre mit dem Bau beschäftigt. Der oberste Befehlshalber war Rommel. Als der Bunker von den Tommies gestürmt und die massive Stahltür versucht wurde aufzusprengen, ergaben sich die 51 deutschen Soldaten. Besonders hervorzuheben waren die Beschriftungen der Deutschen und das Toilettenpapier der Marke Edelweiß. Anschließend lief ich die Dünen vor zum Strand, um eine Vorstellung der Distanz zu bekommen. Es war surreal, wie der traumhafte Strand mit all den glücklichen Besuchern vor mir lag und nur vier Fahnen und ein Gedenkstein an das Massaker vor über 70 Jahren erinnerte. Dem Engländer neben mir schien ähnlich zumute zu sein.

 

Auf dem weiteren Weg lagen noch viele Denkmäler und Geschichtstafeln, zu den jeweiligen Strandabschnitten. Als mir nach 15 Kilometern die Fersen versagten, legte ich mich eine gute Stunde in den Sand. Ich war gut am Arsch. Ich chillaxte, las etwas und lief dann weiter bis ich einen Tisch mit Bank fand, wo ichs Logbuch naus kruschdelte und Lines verfasste über die neusten Ereignisse yoar. Hoffentlich gestaltet sich die Schlafplatzsuche nicht zu schwierig. Ich ahne böses…