Das Meer


05.07.2017

Wischnipur

10:13 Uhr

Wetter: Jetzt schon heiß, 28 Grad sind angesagt

 

Liebes Logbuch, liebe Freunde und Verwandte, liebe Käufer dieses einmaligen Wandererlebnisses - die Jandertaler in 3D

 

der Wind wurde stärker. Salz lag in der Luft. Ich konnte es im Rachen schmecken. Hinter einer Anhöhe wurde das Gebiet sehr weitläufig. Später erfuhr ich, dass Teile davon an bestimmten Zeiten des Jahres überflutet sind. Ich lief vorbei an gigantischen Weiden und dann sah ich es - Das Meer! Die Seine zog sich breit ins Landesinnere. Am anderen Ende erblickte ich nur Wasser. Rechts davon Le Havre, links davon Honfleur.

 

Ich lief eine Weile an der Küste entlang, begegnete einem anderen Wanderer mit Hund und machte dann Rast und schoss Fotos. Eine besondere Widmung geht an dieser Stelle an Tromml, den ich in diesen Momenten der Glückseligkeit und des Ruhmes gerne dabeigehabt hätte. 1000 Kilometer war ich gelaufen. Endlich etwas Zählbares.

 

Der Wanderer lief an mir vorbei und ich wieder an ihm, als er Pause machte. Schließlich fanden wir uns gemeinsam beim Pause machen im Schatten einer Brücke. Sein australischer Schäferhund war ganz scharf auf meinen Räucherschinken. Verständlich. Er ist auch besonders hervorzuheben. Ich vergas nur leider die Marke. Wir kamen ins Gespräch. Der langhaarige, ruhige 22-jährige hieß Simon, war gebürtiger Italiener, lebte in Belgien, lief durch Frankreich nach Spanien und zog dann zurück nach Italien. Seine Hundeschönheit hieß Alba, wie der Sonnenuntergang auf Italienisch. Sie war acht Monate alt, aber nicht verspielt. Weise war sie, sehr intelligent. Er erzählte von einem Kumpel, der Bier und Whiskey machte und in einer nahegelegenen Stadt beides vertrieb. Er treffe einen Kumpel in Honfleur und wir beschlossen gemeinsam weiter zu ziehen. Es war ein angenehmer, englischsprechender Zeitgenosse. Etwas Gesellschaft war auch mal wieder ganz angenehm. Wir redeten über dies und jenes und wir freundeten uns an. Auch er hatte eine Ukulele dabei und war des Gitarrenspielens mächtig.

 

Als wir Honfleur erreichten, suchten wir ein Café auf und tranken etwas. Er war sehr extrovertiert und verwickelte alle Leute um uns herum in Gespräche. Neben uns saßen ein älteres irisches Ehepaar und ein französischer Fotograf. Der eine Ire sah aus wie Ian McCallen und war ein lustiger Geselle. Er verabschiedete sich später mit: „See you in England!“ Das Panorama war gigantisch. Die Stadt war mehr als sehenswert. Die bisher schönste auf meiner Reise. Als es 21:30 Uhr war, musste ich leider einen Schlafplatz suchen. Simon und ich tauschten Kontaktdaten aus und verabschiedeten uns. „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben,“ wie mein Vater zu sagen pflegt. Fünf Minuten später fand ich einen Campingplatz. Preis: Zehn Euro. Als er nette Eigentümer eine kostenlose Dusche erwähnte, willigte ich ein. Es waren schon wieder fünf Tage seit der Letzten vergangen. Den Waschgang am selben Abend zu vollziehen war mir zu anstrengend, was sich als Fehler herausstellte. Es war WIDERLICH im Schlafsack zu liegen, stinkend und fettig wie ich war.

 

Um 09:00 Uhr erwachte ich und ging schnurstracks duschen und Zäh butza. Anschließend packte ich zusammen und kaufte mir einen Schinken-Käse-Crêpe, der hervorzuheben ist und einen Kaffee. Da vorher eine fette Kellerspinne auf dem Kloboden saß, ist mir die Kacklust/-wurst (Kacklurst?) vergangen. Next try.