Happiness only real when shared


28.06.2017

Wischnipur

19:47 Uhr

Wetter: Stark bewölkt, Regnerisch

 

Liebes Logbuch,

 

die Vögel im Dorf machten einen Heidenlärm. Ich speiste das altbewährte Salamibrot, warf ihnen meine Reste entgegen und schlenderte weiter. Vor einem größeren Kaff fing es an zu nieseln. In der Stadt angekommen, kaufte ich Pflaster, Brot, Salami, Joghurt, etc. ein und fragte mich nach einer Bibliothek durch. Leider hatte diese keine Bücher zu verkaufen. Hmpf. Wieder nix zum lesen. Da der Regen stärker wurde, pflanzte ich mich in einen Dönerladen und bestellte ein Panini. Irgendwas mit „Four“ war der Name. Ein Döner-Baguette mit Käse überbacken. Mir verlupfte es tatsächlich den Hut, angesichts dieses Geschmackserlebnisses. Ich lud noch meine Powerbank auf, um am Abend wieder Polytopia spielen zu können. N Buch gabs in dem ungebildeten Dreckskaff ja nicht. Als ich weiter ging und in Gedanken versunken über einen Zebrastreifen abbog, überfuhr mich um ein Haar ein Auto. Ein Matrixmove rettete mich. Meine Versen knacksten dabei gefäääährlich. Schmerzten im Nachhinein auch etwas. Was mir aber mehr auf den Sack ging, war dieser beschissene Trampelpfad, mit seinen hohen nassen Sträuchern. Ich verfluchte Gott und die Welt, bis er endlich nach anderthalb Kilometern zu Ende war. Immerhin war das Wetter angenehm. Ein Graureiher mit angeknackstem Flügel versuchte zu Fuß vor mich zu flüchten. Beim Versuch wegzufliegen fiel er auf den Schnabel. Als ich näher kam versteckte er sich unter herabhängenden Sträuchern. Ich hoffe er hat die Nacht überstanden. Erschöpft fand ich einen Spot neben einer Weide am Waldrand, wo ich mich niederlies. Meine Klamotten waren widerlich nass. Ich fetzte ins Zelt und zockte Polytopia bis es dunkel wurde.

 

Plötzlich hörte ich ein Grunzen, das allmählich lauter wurde. Aufgeschreckt schlüpfte ich nur mit einer Buchse bekleidet in meine Wanderschuhe. Das Geräusch war Gott sei Dank nur ein Flugzeug. Trotzdem fühlte ich mich nicht mehr sicher. Ich nahm meine Sachen aus dem Zelt und lupfte alles über den Stacheldrahtzaun, der danebenliegenden Weide. Ich selbst versuchte kläglich über den Zaun zu steigen. Da das Gras feucht war, waren meine Sachen und ich jetzt natürlich nass. Das Zelt stand abfällig und ohne Heringe zusammengeknautscht da, aber ich war sicher.

 

Am Morgen fraß ich die Pancakes und den Müsli-Joghurt, den ich gestern erworben hatte. Wildschweine sind glücklicherweise keine aufgetaucht. Laut dem Stand der Sonne müsste es 10:30 Uhr rum gewesen sein, als ich aufstand. Ich hatte sowas von keinen Bock.

 

Hervorzuheben ist das Eau de source de Montagne! Brutales Quellwasser!

 

Ich spielte mit dem Gedanken meine Reise zu beenden. Es war trostlos und langweilig durch französisches Flachland zu laufen. Ich könnte genauso gut zwei Monate Sommerurlaub mit meinen Freunden verbringen. Immer wieder kam mir der Satz „Happiness only real when shared“ in den Sinn. Doch ich fing mich wieder. „Nützt ja alles nix.“ Ein totes Kaninchen fand ich auf dem Weg. Ein anderes, das bis eben noch getrauert haben musste, hoppelte ins Feld. Mit seinen dunklen offenen Augen sah es fast lebendig aus. Ich stupfte es mit dem Stock an. Die Leichenstarre war noch nicht vorüber. Es war noch nicht lange tot. Irgendwann fand ich eine Bank auf der ich rastete. Fast hätte ich dahinter geschissen. Aber wer würde es abfeiern? Ich ließ es also. Plötzlich bemerkte ich die pechschwarzen, fetten Wolken über mir. Schleunigst packte ich zusammen und als ich das nächste Dorf erreicht hatte, fing es an zu schütten. Der Gulli lief fast über. Ich stand unter einem kleinen Dachvorsprung, der mehr schlecht als recht vor dem Platzregen schützte. Doch ich war froh, dass es endlich geregnet hatte. Die Schwüle und die permanente Hitze waren weg. Auf dem Weg begegnete mir ein Golden Retriever, der mich sehr an Jessy erinnerte. Das Bellen war exakt dasselbe. Auf einer offenstehenden Weide inmitten eines kleinen, nicht auf der Karte stehenden Dorfes, habe ich mich niedergelassen.