Châlons-en-Champagne


15.06.2017

Wischnipur

15:07 Uhr

Wetter: Fuckin hot, ain’t even funny

 

Liebes Logbuch,

 

als ich wenig später einen äußerst schönen Spot zum nächtigen fand, zählte ich 41 Schnakenstiche. Die vorherige Nacht am Wasser war katastrophaler, als ich dachte. Dazu war es bollenheiß. Entweder die Stiche juckten oder brannten, weil Schweiß hineinlief, nachdem ich sie aufgekratzt hatte. Es war zum Heulen. Zudem war meine Schokolade so zerlaufen, dass ich sie am nächsten Tag nur noch auf mein Brot schmieren konnte, was eigentlich ziemlich geil war. Das Nutella war ausgegangen. Ich packte schnell zusammen. Außerhalb war es noch heißer als im Zelt, was kaum möglich erschien und es war gerade mal 10:00 Uhr. Ich machte mich schleunigst auf die Socken. Wenigstens spendeten die Bäume, die den Kanalweg säumten, etwas Schatten. Da ich nur noch etwas mehr als einen halben Liter Wasser hatte, musste ich schnellstmöglich Châlons-en-Champagne erreichen.

 

Unterwegs traf ich ein deutsches Bikerpärchen, mit dem ich mich kurz unterhielt. Sie waren auf dem Weg nach Rom. 500 Kilomter legten sie pro Woche zurück. Ein klein wenig beneidete ich sie. Auf die letzten Kilometer wurde es wieder heißer und meine Füße fickte es. Verzweifelt suchte ich nach einem Laden, um mir etwas zu trinken kaufen zu können. Als ich endlich das Stadtzentrum erreichte und am Arc de Triomphe vorbeihinkte, fand ich endlich einen Tabakladen, wo ich eine Cola, ein Orangina und drei Liter Wasser kaufte. Das Orangina exte ich instantly. Direkt gegenüber schneite ich beim Bäcker vorbei, was angesichts der 35° irgendwie unglücklich formuliert ist. Plötzlich schwankte das Wetter um. Es donnerte, regnete aber nicht. Leider. Ich suchte noch einen Supermarkt auf und hob Geld ab. Jetzt fehlte nur noch eine Telefonzelle, um Tromml anzurufen.

 

Eine alte Dame schaute mich interessiert aus dem Schaufenster eines Elektrofachgeschäfts an. Kurz darauf kam ein Mann, der ebenso an meinem Vorhaben interessiert schien heraus und sagte etwas, das ich nicht verstand. Ich fragte ihn nach einer Telefonzelle, woraufhin er entgegnete, dass es hier keine gäbe. Ich stutzte, in der Hoffnung er würde mir anbieten telefonieren zu können. Bingo. Er winkte mich in seinen Laden und ich rief Tromml an. Natürlich erzählte ich ihnen im Gegenzug meine Story. Wohin es ginge etc. Als Tromml ranging, wusste ich eigentlich schon was los war. Er lag im Krankenhaus. Er hatte das erste Antibiotikum nicht vertragen und fiel für mindestens eine weitere Woche aus. Was ne Scheiße. Vielleicht schaffte er es mit nach Paris zu kommen. Wenn nicht, würde Nicy bestimmt auch nicht mitkommen, was den Preis des Appartements für Luis, Jessie und mich verdoppeln würde. Aber das ist eine geringere Sorge, zumindest für mich. Eine größere Sorge war die blutgefüllte Blase am Fuß. Ich hoffe, sie hat morgen nichts gegen einen 20 Kilometer Marsch. Ich setzte mich in eine kleine Bar, wo ich die heißeste Zeit des Tages abwarte, zwei Heineken zupf und dann hoffentlich weitere zehn Kilometer absolvieren werde.

 

Besonders hervorzuheben ist das St. Stefanus Blonde!