À bientôt Dominique


14.06.2018

Wischnipur

16:21 Uhr

Wetter: 29°, le Schweiß est net so lustig

 

Liebes Logbuch,

 

Hercule krähte, wie ein waschechter Hahn. Als ich mich gestern, nach einer weiteren Nacht auf der Couch erhob, packte ich meine Sachen. Dominique und ich frühstückten, ich nahm noch eine Dusche, putzte Zähne und Hercule kam nochmal ins Bad geflogen, um mir auf dem Kopf rumzuhacken. Ich werde diesen Kackvogel vermissen. Anschließend kam noch seine Schwester vorbei. Und dann hieß es Abschied nehmen. Ich platzierte noch eine gute Flasche Weißwein und Lindt Schokolade (die heftige, die etwas nach Rocher schmeckt) auf der Couch, ohne dass es jemand mitbekam und bedankte mich vielmals bei Dominique. Seine Schwester schoss noch ein Foto. Wir schüttelten uns die Hände, sagten einander „À bientôt“, und ich verschwand. Ich deckte mich beim InterMarché mit Vorräten ein und wanderte los. Es war ein guter Wandertag. Ich machte 30 Kilometer und war stetig guter Dinge. Gegen Ende schwächelte ich etwas, sodass die letzten fünf Kilometer doch etwas mühsam wurden. In Vitry-en-François angekommen, fand ich zum Glück schnell einen Supermarkt. Und was für einen. Feinste, frische Patisserie, Regale voll. „Ist das ein Traum?“ sagte ich laut, ohne dass es jemand hörte. Ich kaufte Nudelsalat, Kuchen, vier Liter Wasser, brutales Brot und Cola. Anschließend pflanzte ich mich vor den Laden, kaufte noch ein Eclair Paris-Brest beim Bäcker und schmauste.

 

Damit fertig, begab ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz, was sich als nicht einfach erwies. Die Stadt war sehr industrielastig und die Hochhäuser erinnerten stark an ein Ghetto. Auch die Jugendlichen waren mit Vorsicht zu beäugen. Ich lief den versüfften Kanal aufwärts und fand ein bis zwei Kilometer weiter endlich eine ebene, gemähte Grünfläche, wo ich mein Zelt aufschlug. Geschafft ging ich schlafen. Ein wenig Paranoia schob ich allerdings.

 

Am nächsten Morgen erwachte ich, dank dem Geschwätz zweier Fischer und eines Bootes, das in die Schleuse hineinfuhr. Ich packte meinen Scheiß zusammen und verlies den ungemütlichen Ort gemütlich. Ein Stück weiter frühstückte ich. Meine Füße taten weh. Es würde ein schwieriger Tag werden, das wusste ich. Nach mehreren Pausen, vielen Schmetterlingen, die sich auf meinem Rucksack, meinen Stöcken und mir niederließen, versuchte ich mein Glück und suchte nach einem Laden in einem Ort nach dem Kanal. Ich fand immerhin ein Restaurant, in dem ich mir zwei Cola, einen Kaffee und ein Zanderfilet, das lieblos hergerichtet, aber gutschmeckend war, verzehrte. Gesättigt, gezuckert und koffeiniert lief ich weiter. Die nächsten fünf Kilometer waren easy marching. Unterwegs liefen mir zwei Doggies entgegen, die mich freudig begrüßten. Kurz darauf kam ein Mädchen von hinten heran, das die beiden wohl verzweifelt gesucht hatte. Ich lächelte und zog weiter. Ihr Opa, der von der anderen Seite kam, fragte mich nach den Hunden. Ich erzählte ihm von der Begegnung und dass das Mädchen Sie gefunden hätte. Ein Stück weiter stieß ich auf eine Bank. Rast. Logbuch. Kein Schatten. Weiter geht’s.