Tromml Adieu


09.06.2017

Wischnipur

ca. 18:00 Uhr

Wetter: Heiß, davor kalt

 

Oh Mann… Mir hat etwas gelb auf den Fuß geschissen und die Situation ist mal wieder - nun ja - bescheiden.

 

Als wir uns erhoben, mussten wir schockiert feststellen, dass es die Zelttasche weggeweht haben musste. Ich fand sie schließlich in meinem Rucksack. Der Tag fing gut an. Die Nach war ebenfalls mehr als bescheiden, da ich bis ca. 01:00 Uhr kein Auge zubekam. Vielleicht lag es am Fastvollmond. Zu unserer großen Demotivation, führten die nächsten 40 Kilometer direkt an der Autobahn entlang. Mein Schlafentzug machte sich bemerkbar und das Wetter war trist, aber immerhin kühl. Unterwegs schissen wir hinter einen Holzstapel und deckten uns in der nächsten Stadt mit reichlich Proviant ein. Unterwegs trafen wir einen stolzen Hengst, der mit einem Fuß angewinkelt seine goldene Mähne präsentierte und einen Esel mit Rudi Völler Frisur. Der Wahnsinn. Der weitere Weg wurde immer anstrengender. Nach zwölf Kilometern war ich fix und fertig. Doch sieben standen noch bevor. Nachdem wir ordentlich Proviant, Dosenbier, Despo und Negrita Rhum erworben hatten, absolvierten wir die Strecke sogar relativ souverän und ließen uns endlich auf einer Kuhweide mit Steinbruch im Rücken, unweit der Autobahn nieder. Meine Füße waren braun vom getrockneten Blut und vom Dreck. Die Einlagen funktionierten zwar dahingehend, dass ich fast keine Schmerzen mehr in den Fersen hatte, dafür lag aber mehr Belastung auf dem vorderen Teil des Fußes. Die Haut war gut abgeschürft. Tromml verschluckte sich bei dem Anblick fast an seinem Baguette. Ich sprühte reichlich Desinfektionsspray drauf und begann auch zu dinieren und später Kronenburg und Black Despo runterzukippen. Die Laune war ausgelassen und gut. Lange hatten wir kein Bier mehr getrunken. Später im Zelt machten wir uns noch an den Negrita Rhum, der streng im Geschmack war. Erschöpft schlief ich ein. Wir nahmen uns vor, den nächsten Tag um 06:30 Uhr zu beginnen. Es sollte mittags Unwetter geben und so war es auch.

 

Pünktlich am Morgen stiefelten wir los und absolvierten mühelos und mit guter Laune 15 Kilometer bis mittags um 12:00 Uhr. Das Gewitter, in Form von starkem Platzregen, trat pünktlich ein und wir suchten Zuflucht in einem Restaurant mit madigem Tagesmenü für 13,50 €. Soweit so gut.

 

Die weniger erfreuliche Nachricht war, dass Trommls Ohr angeschwollen war. Man sollte meinen, dass das kein Problem sei. Allerdings schwoll dasselbe Ohr schon zwei Mal an und das letzte Mal ziemlich heftig und mit einer Auswahl an feinsten Streptokokken, da er es nicht rechtzeitig hatte behandeln lassen.

 

Also wir das letzte Stück Puddingkuchen verschluckten, kontaktierte Tromml seinen Vater, der ihm anbot, die Heimreise zu bezahlen. Ca. eine halbe Stunde später standen wir an einer Tankstelle, wo eine deutschsprechende Frau es nach dem zehnten Telefonat schaffte, ein Taxi zu ordern. Währenddessen erwarb ich die neunte Ausgabe der Zeitschrift „Chobix“ und ließ mich von ihrem kläffenden Köter beschnuppern. Tromml und ich tauschten noch Nummern aus, da mein Handy zu Bruch gegangen war. Als das Taxi nach zehn Minuten noch immer nicht eingetroffen war, entschloss ich mich Trommls Warterei nicht länger beizuwohnen, da ich dringend kacken musste. Wir gaben uns einen Knut, ich versprach, dass ich bestimmt anrufen würde und verschwand. Endlich fand ich einen Kackspot an einem Abhang im Wäldchen. Der sämige Bollen rollte mir gegen den Schuh. Dieser wiederum streifte mein Hosenbein. Es war zum Verrücktwerden. Auch an meinen Fingern klebte Scheiße, fällt mir gerade ein. Gut, dass ich mir nicht die Hände gewaschen habe dios mio.

 

Als ich wieder zur Tankstelle kam, standen nur noch Trommls Wanderstöcke da. SMH. Selbst wenn er weg ist, muss man ihm alles hinterhertragen. Ich lachte. Er hatte sicher ein schlechtes Gewissen, weil er sie vergessen hatte. Ich suchte einen Proxy auf, unterhielt mich eine ganze Weile mit netten, gesprächigen Franzosen über meine Reise und kaufte ein. Unter anderem Kleber (colle) und Nähnadeln. Anschließend suchte ich nach ca. einem Kilometer eine Wiese am Kanal auf, wo ich momentan die Sonne auf meinen Rücken knallen lasse. Sonnenbrand vorprogrammiert. Erschmal Kronenburg ins Leben.