Der Schleusenschiss


07.06.2017

Wischnipur

18:00 Uhr

Wetter: Sonnig popponig

 

Liebes Logbuch,

 

als wir uns am Dienstagmorgen, nach einer weiteren unentspannten Nacht um ca. 09:00 Uhr erhoben, gingen wir frühstücken, was nebenbei vorzüglich war. Tromml verspeiste über 20 Pancakes. Dazu gab es Eier, Früchtesalat, Baguette, Croissants, Kuchen und Tee. Anschließend räumten wir unseren Saustall auf, gingen duschen etc. und checkten aus. Unsere Backpacks ließen wir bei der Rezeption, um ohne Gepäck einkaufen gehen zu können. Wir besorgten diverse Sachen im örtlichen Outdoor Shop, wofür ich 170 Flocken liegen ließ. Anschließend ging ich noch zur Bank, um mir die Flocken wieder zu holen. Da wir keine Patches von Nancy finden konnten, bestellten wir uns später welche bei Amazon. Als wir schließlich alles erledigt hatten und auch provianttechnisch versorgt waren, verließen wir Nancy. Ach ja: Da der 167 Burgerladen sooo heftig war, verspeisten wir noch den 167 BBQ, welcher ausgesprochen abartig war.

 

-Schweigeminute-

 

Ok. Wir verließen also Nancy in leider weniger entspanntem Zustand, da es uns an Ansporn fehlte. Meine Laune war nach ca. zehn Kilometern miserabel. Es windete stark und regnete ab und an. Ich hatte Schmerzen im Fuß, Paranoia, hörte Stimmen im Wind. Ich fühlte mich wie auf einem bösen Trip. Das große Waldstück, durch das wir steuerten war so trostlos wie das Wetter. Auch die darauffolgende Strecke an der Autobahn entlang war dementsprechend. Wenigstens war meine Paranoia passé. Nachdem wir gute 20 Kilometer zurückgelegt hatten, rasteten wir ein Stück abseits der Autobahn und schlugen unser Zelt auf. Meine Fersen taten trotz der in Nancy gekauften Einlegesolen weh. Es war zum verrückt werden. Gott sei Dank war die Stimmung, nachdem wir uns niedergelassen hatten, wieder deutlich besser. Ich ging Tromml wie so oft auf den Keks mit Gerüchen, die ich wirklich niemandem zumuten möchte. Die 167 Burger hatten es in sich. Die biochemischen Bomben veranlassten Tromml immer wieder dazu, den Kopf aus dem Zelt zu strecken, um mit schmerzverzerrtem Gesicht nach Frischluft zu schnappen. Schließlich schlief ich ein. Meine Träume waren katastrophal. Eine riesige Welle überschwemmte das ganze Land. Alle ertranken. Tromml meinte ich hätte um mich geschlagen und immer wieder geflucht. Der Traum stimmte mich den nächsten Morgen sehr nachdenklich. Ich hatte Heimweh. Der Zeltabbau war relativ unentspannt, da der Wind heftiger blies, als eine Crackhure auf Entzug. Als vereinzelte Regentropfen dazu kamen, flohen wir anderthalb Kilometer ins nächste Dorf, wo wir Proviant flippten und schmausten. Die Notre Dame entpuppte sich nicht als der Glockenturm, sondern als unimposante Statue der Maria. Ab da an ging es mit leichtem Wind 15 Kilometer an einem Kanal entlang. Zwischendurch machten wir bei einem Bäcker Halt, der uns versehentlich nur die Hälfte (acht Euro) berechnete. Einziger Aufreger des Tages war die Fehlfunktion des GPS. Es lädt unzuverlässig bzw. schaltet sich selbstständig ab. Sollte es abkacken, wäre das unser Ende. Die Wildnis würde uns verschlingen und nie wieder ausspucken, solange in Frankreich keine Gorillas leben, die uns aufziehen könnten.

 

Ach ja: Die heutigen Schisse von Tromml und mir waren legendär! Tromml hielt sich am Geländer eines Ausstiegs, an einer der Schleusen fest und schiss drei Meter tief ins Wasser. Ich legte mich halb über ein Steindreieck und schiss ebenfalls ins Wasser. Mich bemerkte zum Glück niemand. Tromml sahen ungefähr zehn vorbeifahrende Autofahrer. Äußerst amüsant. Nun sitzen wir hier an einer der Schleusen und kampieren. Püz.