Nancy


06.06.2017

Tromml

19:51 Uhr

Wetter: Keine Ahnung

 

Unterzuckert. Dehydriert. Panikattacke. Krankenhaus. Da lag ich also. Irgendwo in einem Zimmer im Krankenhaus von Lunéville. Die Infusion floss in meine Vene und ein wenig wünschte ich mir, dass es mehr als nur Kochsalzlösung wäre. Nun kam Wischnipur ins Zimmer. Wir warteten weitere 30 Minuten bis der Arzt uns mitteilte, dass die Blutwerte alle gut seien und ich somit entlassen wäre. Das bedeutete aber auch, dass wir uns nun nach einem Schlafplatz umsehen mussten. Wir liefen also an den Stadtrand und stellten unser Zelt zwischen einem Fluss und einem Garten, mit lautstark lachenden und wohl ziemlich besoffenen Dudes auf. Wischnipur legte sich gleich schlafen. Ich trank noch eine Cola, bevor ich mich ebenfalls hinlegte.

 

Am nächsten Tag bauten wir das Zelt ab, packten zusammen und machten uns auf die Suche nach einer Apotheke. Ich ging mit meinem Rezept rein und holte meine Medis ab. Die Apothekerin sprach wieder, wie alle hier, weder englisch noch deutsch. Sie meinte es nur gut, doch erklärte sie mir genau das gleiche, was der Arzt schon sagte und ich somit eh schon wusste. Zwischenzeitlich googelte sie das ein oder andere Wort und so kam ich nach ca. 30 Minuten wieder aus der Apotheke raus. Schöne Titten hatte sie.

 

Wir deckten uns noch mit Baguette ein und marschierten aus der Stadt. Meine Beine krampften, doch leider konnte ich durch den Dünnschiss kein Magnesium zu mir nehmen. Wir gingen eine Hauptstraße weiter entlang zu einem kleinen Dorf. Dort erholten wir uns auf einer Bank, als uns ein merkwürdiger Mann angrinste und fragte ob wir Wasser wollten. Mir kam die ganze Situation spanisch vor und ich schickte Wischnipur mit ihm mit. Er verschwand für eine Weile mit dem Mann in seinem Haus. Ich weiß immer noch nicht was genau da drinnen vorgefallen war, stellte aber auch keine Fragen. Anscheinend, so berichtete Wischnipur, wurde ihm noch eine Dusche angeboten.

 

Wir gingen noch einige Kilometer bis wir eine kleine Stadt erreichten. Zu allem Überfluss renkte sich doch noch mein rechtes Bein aus. Wir schleppten uns abermals zum Bäcker und deckten uns für den Abend ein. An einem Anglersee stellten wir unser Zelt auf. Nebenan kampierte ein fetter Mann mit seinem mindestens genauso fetten Sohn. Die beiden hatten ständig Streit mit der Fischereiaufsicht, da sie wohl gegen die Auflagen verstießen. Wir sind heute gerade mal zehn Kilometer gelaufen, aber mehr war einfach nicht drin. Den Rest des Tages aßen, redeten und musizierten wir. Als es anfing zu regnen, gingen wir ins Zelt. Wischnipurs Gestank war kaum auszuhalten. Und zu allem Überfluss regnete es immer stärker, sodass ich nicht fliehen konnte. Wir konnten beide nicht gut schlafen. Im Zelt war es extrem heiß und schwül und der Regen machte einen ohrenbetäubenden Krach. Nachdem Wischnipur mir noch meinen letzten Chantré wegsoff, schlief er ein. Ich las noch ca. 100 Seiten in meinem Buch bis ich irgendwann in der Nacht ebenfalls einschlief.

 

Die Nacht war nass und wenig erholsam. Nach einem Abstecher beim örtlichen Bäcker, machten wir uns auf Richtung Nancy. Mein Bein schien sich aus der Hüfte ausgerenkt zu haben, also humpelte ich schlecht gelaunt den langen Weg entlang. Dazu kam, dass Wischnipur heute sonderlich nervtötend gelaunt war. Die 20 Kilometer entlang einer Schnellstraße und vorbei an Industriebetrieben hellte meine Stimmung nicht auf. Zu allem Überfluss setzte ich mich beim pausieren auch noch auf nassen Untergrund. Meine Hose war nass. In Nancy angekommen erreichten wir endlich das Hotel. Die Empfangsschlampe wollte uns gleich wieder wegschicken. Sie meinte es sei nichts gebucht und wir seien sicher im anderen Ibis Hotel, zwei Kilometer weiter. Zum Glück buchstabierte ich dem dummen Stück nochmals meinen Namen und wir konnten endlich aufs Zimmer. Also geduscht, kurz geschlafen und dann ging es ab zum Italiener. Ich freute mich riesig, war es doch das erste Mal seit Tagen, dass ich kein Weißbrot essen musste. Wischnipur bestellte sich Carpaccio und eine Pizza und ich genehmigte mir Nudeln mit Speck und Parmesan Soße. Danach hatte ich zwar einen pompösen Blähbauch aber keinen Dünnschiss. Wir tranken sogar ein Bier. Das erste Bier seit Tagen. Es war einfach himmlisch. Im Hotel angekommen gingen wir dann rasch zu Bett. Entspannen war angesagt.

 

Da wir zu geizig fürs Frühstück im Hotel waren, suchten wir uns ein Café. Dort gab es dann fast zum gleichen Preis weniger Frühstück. Also ließ ich mir noch ein Sandwich raus. Es war ca. 11:00 Uhr und wir beschlossen ein Sixpack Heineken zu kaufen. Im Hotel angekommen tranken wir das Bier. Wischnipur legte sich abermals schlafen. Im nutzte die Zeit, um nochmals zu duschen und meine Wäsche vom Siff zu befreien. Danach gingen wir einen wirklich sagenhaften Burger essen. Angeregt durchs Fast Food kauften wir nochmals ein Sixpack Heineken. Eigentlich hatten wir noch einiges zu erledigen, sprich noch ein paar Sachen einzukaufen. Da wir aber völlig das Zeitgefühl verloren hatten, bemerkten wir viel zu spät, dass es Pfingstmontag war. Somit waren die meisten Geschäfte geschlossen und somit blieb es beim Bier. Wir schauten noch ein wenig fern bis unsere Sixpacks geleert waren und schliefen schließlich ein. Es war ein entspannter Tag.