Diarrhoe


01.06.2017

Wischnipur

19:25 Uhr

Wetter: Angenehm, Sonne geht grad unter

 

 

Liebes Logbuch,

 

Als wir die Tränke verließen, bekam Tromml plötzlich Magenkrämpfe. Er versuchte sich etwas schlafen zu legen. Medikamente, die ich dabeihatte, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Nach 30 Minuten erhob er sich, durchsuchte das Dorf nach einer Pharmacerie und kehrte wenig später kopfschüttelnd zurück. Nach einer kleinen Auseinandersetzung suchten wir ein schattigeres Plätzchen auf, schlugen das Zelt auf und Tromml legte sich wieder hin. Wir legten also einen Tag Pause ein, was meinen Fersen sehr recht war. Endlich mal wieder einen Tag Freizeit. Ich lernte Mundharmonika und Gitarre spielen, wusch mir Arsch und Sack im nahegelegenen Bach und paukte abends noch Französisch. Als mir die vielen Wildschweinspuren auffielen, wechselten wir vorsichtshalber nochmal den Standort. Ich lernte noch etwas und ging dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht schlafen.

 

Am nächsten Morgen, nach wieder mal abstrusen Träumen, erwachte ich um 09:00 Uhr. Grummelig fing ich die Isomatte ein, die den Berg hinuntergerollt war und begab mich ans Essen. Tromml hatte nicht unweit vom Zelt einen Scheißbrei hingelegt, woran sich ein lustiger Hund zu schaffen machte. Sein Herrchen, das uns zuerst nett begrüßte hatte, war weniger begeistert. Vermutlich stimmte der Haufen den Rastamann mit seinem Rasenmäher ebenfalls weniger glücklich. Schnell machten wir uns aus dem Staub, bevor er sich seine Hose einsaute. Da Trommls Dünnschiss noch anhielt, informierten wir uns nach der nächsten Apotheke und erfuhren, dass diese einen ca. zehn Kilometer langen Umweg bedeuten würde. Als wir beim örtlichen Restaurant zwei Tees orderten, erfuhren wir, dass es so etwas wie ein Taxi nicht gab und der Bus nur zwei Mal die Woche fuhr. Wir waren im fuckin Nowhere angekommen. Da aber der Zwieback, den Tromml im nächsten Proxy erworben hatte, nicht direkt abgewickelt wurde, versuchten wir unser Glück und liefen die normale Route. Es klappte erstaunlich gut. Obwohl Tromml schlapper war als sonst, lief er wie gewohnt vorne weg, ohne einmal hinter einen Baum zu müssen. Als wir den ca. 500 Meter hohen Berg bezwungen hatten, musste ich plötzlich scheißen. Es war eine unglaubliche Riesenwurst. Ich schrie: „Janne, bring die Kamera“, durch den Wald. Als er sie nicht fand, holte ich sie selbst und schoss Fotos von dem Goldstück.

 

Wenig später stießen wir wieder auf Spuren des ersten Weltkrieges. Verteidigungsanlagen, Unterschlupfe und Denkmäler. Im Wald von Chappellons oder so ähnlich, waren damals 2.000 Soldaten umgekommen. Es wurde auch davon abgeraten die Wege zu verlassen und mit Metalldetektoren nach Überbleibseln zu suchen.

 

Nun sitzen wir endlich in Neuviller-lês-Badonviller auf einer Bank. Ich schmause meine Leckereien, Tromml seinen Zwieback und gönnen unseren erschöpften Knochen die wohlverdiente Ruhe.