Wildschweinbesuch


31.05.2017

Wischnipur

10:30 Uhr

Wetter: Top, angenehme 15 – 20°

 

Liebes Logbuch,

 

wir erwachten am Montagmorgen in unserem eigenen Saft. Da die Temperaturen wieder extrem werden sollten, stellten wir den Wecker auf halb Sechs, um der Mittagshitze zu entgehen. Ein guter Plan, wie sich herausstellte. Es war wirklich angenehm kühl. Zumindest bis 10:00 Uhr. Tromml hatte bereits am gestrigen Tag seine Pizza gegessen, sodass wir erst einmal die Boulangerie im nächsten Kaff aufsuchten. Eine sehr nette Bäckerin verkaufte uns zwei Sandwiches, ein Brot und vier ausgezeichnete Cookies. Je länger wir wanderten, desto heißer wurde es. Meine Navigationsfähigkeiten ließen aufgrund schwindender Konzentration etwas zu wünschen übrig. Auf dem Weg über den Jesselsberg entdeckten wir Überbleibsel des 2. Und 1. Weltkrieges. Bunkeranlagen, Stützpunkte und ein Artilleriegeschützturm, von welchem man einen 360° Ausblick über die umliegenden Dörfer hatte. Den Berg (der übrigens auch so hieß) zu erklimmen war schon eine Anstrengung, doch leichter wurde es nicht. Nach guten 25 Kilometern gelangten wir an ein Dorf mit einer großen Kirche, wo wir rasteten und warteten bis der örtlich Proxy um 14:30 Uhr aufmachen würde. Doch wie es auf unserer Wanderung Brauch zu sein scheint, hatte der Laden geschlossen, wie wir später erfuhren. Wir fragten eine nette Mademoiselle nach Wasser und erfuhren, dass wir im nächsten Ort einen Proxy finden würden. Wir taten uns also den Weg an. Meine Fersen schmerzten wie die Hölle. Nach fünf Kilometern und einem kleinen, heftigen Gewitter, erreichten wir den Ort, fanden einen Bäcker und einen Proxy, wo wir uns für die nächsten Tage eindeckten. Die Suche nach einem Schlafplatz war nicht so einfach. Schließlich fanden wir aber einen hinter dem Friedhof, wo wir unseren Sixer Heineken wegkippten und dann zu Zelt gingen.

 

Der darauffolgende Morgen war schon angenehmer, da das gestrige Gewitter das Klima etwas gemäßigt hatte. Wir liefen an der Hauptstraße entlang, was etwas scheiße war, durch die nächsten zwei Käffer, bis nach Wisch. Von da ab ging es dann über den 2. Schwarzwald (wie wir ihn nannten). Es war wirklich wüst. Der Donon mit 1059 Metern hatte es in sich. Auf dem Weg nach oben passierten wir einen Friedhof, der den Opfern der Kriege gedachte. Außerdem kamen wir immer wieder an Statuen und Denkmälern vorbei. Tromml machte sein Wasservorrat sorgen. Der Berg war so steil und der Weg so verwinkelt, dass wir nach nicht ganz zwei Stunden gerade mal 4 km Luftlinie geschafft hatten. Wir liefen weiter. Ein Motocrossfahrer steuerte waghalsig an uns vorbei. Hoch, dann runter. Als wir kurz pausierten kam der Park Ranger hinterher gedüst. Offensichtlich hatte er ihn nicht erwischt, da der Motocrossi kurz darauf wieder von oben kam. Es war lustig. Meine Füße nicht. Ich hatte wirklich miese Schmerzen. Zum Glück fanden wir ein paar Häuser, die nicht eingezeichnet waren, wo uns ein netter Holländer frisches Quellwasser in unsere Flaschen füllte. Wir konnten also nach einem Schlafplatz Ausschau halten und fanden auch Gott sei Dank schnell einen, auf einer grünen Wiese mit ein paar Holzstapeln, mitten im Wald. Ich war fix und fertig. Nachdem ich gegessen hatte, ging ich ohne Umwege um 18:30 Uhr schlafen.

 

Plötzlich erwachte ich. Es war 01:00 Uhr. Ein Grunzen, das immer lauter wurde, gefolgt von knackenden Ästen und einem Wiehern. Ich lag mit aufgerissenen Augen da, setzte mich auf und hoffte, dass es einfach weiterlaufen würde. Tromml richtete sich kerzengerade auf. „Ist das ein Wildschwein?“, fragte er mit hörbarem Puls in der Stimme. Wir waren umzingelt. Leicht panisch debattierten wir flüsternd was wir nun tun sollten. Meine Hände zitterten vor Adrenalin. Die, oder besser gesagt das Wildschwein, war keine 10 Meter von unserem Zelt entfernt. Dummerweise hatte ich vergessen mein Brot und die extrem guten Butterkekse außerhalb des Zeltes aufzubewahren. Ich öffnete den Reißverschluss des Zeltes einen Spalt und warf meine Verpflegung in hohem Bogen hinaus. Außerdem warfen wir das Licht aus dem Zelt und fingen an laut zu reden und Geräusche von uns zu geben. Uns ging ordentlich die Düse. Ich saß mit dem Messer in der Hand da. Gott sei Dank schien unsere Taktik Erfolg zu haben. Als das Wildschwein sich entfernte, wagte ich mich aus dem Zelt, nahm die Lampe, sah mich um, erkannte aber nichts. Ich sammelte das Brot und die Kekse ein, legte beides auf einen ca. 1,5 Meter hohen Holzstapel und pisste davor. Tromml kam auch heraus und pisste vor das Zelt. Puh. Die Situation entspannte sich wieder. Da ich mir sicher war, dass das Schwein nicht zurückkehren würde, legte ich mich wieder schlafen, was allerdings ein gutes Stündchen dauerte.

 

Der heutige Morgen begann entspannt. Ein paar Wildschweinspuren waren noch zu erkennen. Tromml berichtete von Magenproblemen und Dünnschiss und dass das Cottonelle knapp wäre. Daraufhin musste ich natürlich erstmal scheißen gehen. Als ich in die Knie ging und der Nougatklos zwischen meinen Arschbacken hervorquoll, umringen mich bereits fünf Schmeißfliegen. Als ich mich würdevoll erhob, flogen die Viecher aus allen Richtungen auf das Kackeldorado zu und binnen weniger Minuten war der Scheißbollen vor lauter Fliegen nicht mehr zu sehen. Wir packten zusammen und verließen den Ort. Der darauffolgende Wanderweg war ein kleiner verwucherter Pfad, der auf dem GPS nur schwer erkenntlich war. Nach einem kleinen Querfeldein erreichen wir ihn aber wieder. Es war wie ich fand der schönste Wanderweg bisher. Nun sitzen wir auf einer Bank mit einem Trinkwasserbrunnen, in welchem wir uns partiell gewaschen haben und warten bis ich das Logbuch aufgefrischt habe.