Straßburg


27.05.2017

Wischnipur

10:00 Uhr

Wetter: Kein Plan

 

Oh Logbuch,

 

der gestrige Tag begann gewöhnlich. Ich war gut ausgeruht, hatte keine Schmerzen und wanderte entspannt aus dem Schwarzwald hinaus. Tromml ging es weniger gut, sodass wir hier und da eine Pause einlegten. Nach ca. acht Kilometern liefen wir endlich die letzten Abhänge des Schwarzwaldes hinunter. Wir rasteten zwischendurch an einer wunderschönen Marmor-Sitzgarnitur mit herrlichem Ausblick. Tromml meinte, dass man einen Scheißhaufen kaum schöner präsentieren könne, als wenn man auf diesen Tisch kacken würde. Ich nickte. In Lauterbach angelangt, suchten wir ein Restaurant auf, wo wir gut speisten (vor allem die butterteigcrokettenähnlichen Überteile!!). Aufgrund unserer Abgeschiedenheit stellten wir anhand der vielen besoffenen Jugendlichen, die unseren Weg kreuzten, fest, dass Vatertag, also Feiertag war, was wir in unsere Rationsplanung nicht einberechnet hatten. Mittlerweile hatten Trommls Startprobleme nachgelassen, dafür schmerzten meine Fersen wieder. Wir machten einen kleinen Umweg zu einer Tanke, um, wie sich herausstellen sollte, widerliche Backwaren und Dosenbier zu kaufen. Unterwegs begegneten uns immer wieder Männer, die hackevoll von den Vatertagshocketen nach Hause schwankten. Tromml war von meiner Gelassenheit mittlerweile angenervt, da er Strecke machen wollte. Ich kaufte mir 500 Gramm Erdbeeren und schmatzte vergnügt hintendrein. Nach guten 25 Kilometern vielleicht sogar nach 30, erreichten wir einen Ort mit einer Dönerbude, die wir schnurstracks aufsuchten, uns das Bosten-Cleveland NBA Halbfinale reinzogen und uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machten. Nach etwas Botanik, hinter der örtlichen Feuerwehrhauptstation, fanden wir eine Wiese, auf der wir uns niederließen. Wir betranken uns, wie alle anderen Menschen der Erde, schossen Selfis und führten wieder gute Konversationen. Als das Bier zwischendurch leer ging, besorgte Tromml noch weitere Flaschen. Als es dunkel geworden war, gingen wir gut abgedichtet zu Bett.

 

Der darauffolgende, heutige Tag lässt sich mit Desaster relativ gut beschreiben. Wir verschliefen, entfernten an die 30 Schnecken von unserem Zelt und unseren Sachen, schmissen die Backwaren, die wir gestern bei der Tanke gekauft hatten weg und liefen zum Edeka, um uns neue zu kaufen. Ich besorgte mir noch Schuheinlagen beim DM, da sich meine Blasen nicht mehr an zwei Händen abzählen ließen. Wir spurteten durch die knallige Sonne 25 Kilometer bis zur französischen Grenze in ca. fünf Stunden. Unterwegs navigierte ich uns zwei Mal falsch und verlor beim Wendemanöver den unteren Auszug meines Wanderstocks. Zum Glück fand ich ihn wieder. Als wir an einem gemähten Feld vorbeiliefen, wurden wir von Quadrokopter-Weberknechten attackiert, was uns zu einem 100 Meter Sprint zwang. Meine Füße waren völlig am Ende. Die Einlagen führten zu extremen Fersenschmerzen und verursachten weitere Blasen an anderen Stellen. Zwischendurch schissen wir hinter einen Tennisplatz. Als wir endlich Kehl erreichten, war ich völlig fertig und kam nur noch humpelnd voran. Die Stöcke waren ja ebenfalls unbrauchbar geworden. Die Großstadt erschlug uns. Hektik pur. Kein gutes Umfeld für zwei Naturbuschen wie uns. Und dann endlich sahen wir die weiße Brücke über den Rhein, die Deutschland von Frankreich trennte. Aufgrund meiner Fertigkeit war die Überschreitung aber eher kläglich, als würdevoll. Ein Blick aufs Navi verriet uns, dass der Weg bis zum Hotel weitere acht Kilometer dauern würde. In unserem Zustand unmöglich. Ich rief also in gebrochenem Französisch-Englisch-Mischmasch ein Taxi zu unserem aktuellen Standort und zehn Minuten später erschien es. 20 Euro später erreichten wir endlich unser „Hotel“, das so ziemlich das fertigste war, in welchem ich je hauste. Ich konnte nicht mal das Klo reinigen nachdem ich es vollgeschissen hatte, da keine Klobürste vorhanden war. Immerhin war es einigermaßen sauber und ich konnte nach zwei Wochen endlich mal wieder duschen. Ich stöhnte.

 

Wir entschieden uns eine weitere Nacht in Straßburg zu verbringen. Der Herr am Empfang versicherte uns Bescheid zu geben, falls kurzfristig noch ein Zimmer frei werden würde, was auch geschah. Dummerweise hatten wir mittlerweile bereits ein anderes Hotel gebucht, welches das Doppelte kostete und dessen Buchung nicht mehr revidierbar war. Völlig verzweifelt machten wir uns auf die Suche nach Bier. Wir mussten zwei Mal zurück, da erst eine Stadtkarte, dann das Navi fehlte. Ohne war keine Navigation möglich. Der Großstadtdschungel war die reinste Katastrophe. Wir liefen und suchten. Liefen immer wieder die gleichen Läden ab, stellten fest, dass wir kein Geld hatten, liefen wieder zurück, entschieden uns für Heaven‘s Burger, welcher aussah wie McDonalds, kauften doch Sandwiches, Bier im nächsten Laden und Wasser wieder im Nächsten. Insgesamt waren wir acht Mal am McDonalds vorbeigelaufen. Es war peinlich. Tromml kaufte vorsorglich auch noch ein Sixpack Heineken beim Aldi. Eine gute Entscheidung. Endlich hatten wir alles besorgt und liefen zum Hotel zurück. Wir setzten uns in den Garten und tranken und waren froh, dass der Tag zu einem Happy End geführt hatte.