Der Schwarzwald


25.05.2017

Wischnipur

08:00 Uhr

Wetter: Lieg noch im Zelt

 

Nach dem vorangegangenen Besäufnis, erwachten wir gestern erst um 09:30 Uhr, was den Abmarsch ebenfalls auf ca. 11:00 Uhr verspätete. Da unsere Essensrationen verbraucht waren, suchten wir um 11:20 Uhr ein Restaurant auf, wo wir das Tagesgericht orderten. Tromml ging derweil um die Ecke, um ein Kilo Brot, Knoppers und Wurst zu kaufen. Der gemischte Grillteller war gar nicht schlecht, allerdings überfraßen wir uns gewaltig. Mein Magen schmerzte so sehr, dass ich meinen Rucksack nicht mehr zumachen konnte. Um die Mittagszeit verließen wir das Lokal, um uns durch den Schwarzwald zu schlagen. Höchster Punkt: 1.058 Meter. Vollgefressen wie wir waren, war der erste Aufstieg, welcher natürlich gleich der heftigste sein sollte, fast schon lachhaft übertrieben. Nach ca. 200 Metern mussten wir uns auf die erste Bank setzen, um zu verschnaufen und vor allem um zu verdauen. Neben der Bank stand ein Chemo-Kübel, einen, wie wir ihn am Vortag in Baiersbronn gesehen hatten. Tromml beschloss in den Kübel zu scheißen. Es war ein Bild für die Götter. Einmal musste er lachend aufspringen, da ein Auto vorbeifuhr. Er stand unauffällig mit nacktem Arsch und dem Klopapier in der Hand vor der Tonne und wartete bis der verwirrt dreinblickende Opa vorbeigetuckert war. Plötzlich drehte es mir den Magen um. Da Tromml noch nicht fertig war, setzte ich mich dazu. Es war unfassbar widerlich. Mein dritter, riesiger Scheißhaufen innerhalb von nicht mal einem Tag. Wir stellten fest, dass unsere Aktionen an Genialität und Ideenreichtum gestiegen waren. Nach diesem Lichtblick ging es los. Bis zum ersten Zwischenziel oben am Berg, waren es ca. zehn Kilometer. Der Höhenunterschied machte sich ab ca. 900 Metern bemerkbar. Die Natur wandelte sich in widerstandsfähige Sahara-Natur um. Wir erreichten die um 1800 errichtete Stiffel-Hütte (oder so), tranken kurz und quälten uns weiter über den Berg. Als wir über den Bergkamm hinweg waren, blieb ich wie angewurzelt stehen und starrte in die Ferne. Frankreich. Uns bot sich ein atemberaubender Ausblick auf unser erstes Reiseziel. Leider war es etwas diesig, sodass es die Kamera nicht erfassen konnte. Ich verharrte einige Zeit und staunte, bis ich mich losriss und weiterlief. Als ich zwischendurch aufs Navi schaute, stellte ich fest, dass wir einen Weg verpasst hatten. Aber da war kein Weg. Zumindest dachten wir das. Er war so derart zugewuchert, dass wir einfach daran vorbeigelaufen waren. Dummerweise gab es keine Alternative, sodass wir ihn einschlagen mussten. Was ne Scheiße. Nicht nur, dass wir über den Kack-Schwarzwald mussten, nun mussten wir auch noch durch den Dschungel. Als wir endlich wieder auf eine normale Straße kamen und Tromml sich sein von einem Dornenstrauch aufgerissenes Schienbein, mit mindestens 20 Sprühern Antiseptikum einwässern musste, stellten wir fest, dass der verwilderte Drecksweg noch weiter ging. Nur noch verwilderter. Wir schlugen uns durch Dornen und Nadelbäume, die auf dem Weg wuchsen und schrien immer wieder: „Ich werde überleben!“ Wir überlebten. Dios mio. Wir rasteten auf einem Bagger, der am Waldrand stand und liefen dann geschunden und mit schmerzenden Füßen weiter. Wir kamen am Mörderkreuz vorbei, welches zum Gedenken eines Großvaters, der im 19. Jahrhundert für ein paar Kreuzer gemeuchelt wurde, aufgestellt wurde. An einer Hütte mit Sitzgelegenheiten und einer ebenen Wiese beschlossen wir zu kampieren. Die Schmerzen waren zu unschön, um noch weiterzulaufen. Ich holte an einem nahegelegenen Bauernhof Wasser und kehrte zurück, um endlich meine Isomatte (die heute Nacht ausgesprochen sexy war) zu flicken und das Zelt aufzubauen. Um kurz nach 19:00 Uhr legte ich mich schlafen. Ich war fertig wie ein Zäpfchen. Die Nacht war sehr erholsam. Es ist kurz nach 08:00 und wir steuern die letzte Etappe vor Frankreich an. Vielleicht erreichen wir es heute.

 

PS.: Jeweils drei Blasen an den vorderen Füßen haben sich jeweils zu einer Mutterblase zusammengeschlossen ☹