Das Waschparadies


23.05.2017

Wischnipur

09:50 Uhr

Wetter: Joa, ganz ordentlich

 

Liebes Logbuch,

 

ich habe mich seit Sonntag nicht mehr gemeldet, da die letzten zwei Tage relativ beschwerlich und sehr ereignisreich waren. Als ich am Montagmorgen allein im Zelt erwachte, waren die paranoiden Gedanken vor dem Einschlafen passé. Ich aß, packte meine Sachen und lief um 09:00 Uhr los. Ich muss zugeben, es hatte seinen Reiz, die Welt alleine zu entdecken, so musste ich mich doch nach niemandem außer mir selbst richten. Das Tagesziel war ein Gewässer zu finden, in welchem ich meinen dreckigen Arsch waschen konnte. Nach ca. zehn Kilometern und einem ziemlich steilen Aufstieg, erschien vor mir plötzlich ein Waschparadies. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen und fing an zu lachen. Sofort legte ich meinen Rucksack ab und begann mich und meine gesamten Klamotten eine Stunde lang zu waschen. Anschließend hängte ich alles auf und wartete bis alles trocken war. Ach ja: Kurz zuvor hatte ein Jugendlicher auf einem Motorroller ein weißes Päckchen aus dem Müll gefischt. Ich bin mir sicher, dass das Allgäu eine Drogenhochburg ist. Techno schallt aus allen Anlagen und Druffis erkenne ich auch, wenn ich sie sehe.

 

Nach guten 2½ Stunden Gitarre spielen, zog ich weiter. Um ca. 15:00 Uhr erhielt ich die erfreuliche Nachricht, dass Tromml wieder zu mir stoßen würde. Wir würden uns nach einigen Hins und Hers um 21:00 Uhr im Grünen Tal bei Freudenstadt treffen. Meine Aussage „Das schaff ich locker“, war wohl etwas zu selbstsicher gewesen, da ich nach 25 Kilometern doch ziemlich geschafft war. Im Grünen Tal angekommen, setzte ich mich auf eine Bank an der Johanneskirche und frischte meine Französischkenntnisse etwas auf. Da die scheiß Bahn mal wieder Probleme machte, verspätete sich Tromml auf 22:00 Uhr. Es war stockdunkel, was es schwierig machte einen Schlafplatz zu finden, doch wir hatten Glück. Eine einladende Wiese fand sich direkt am Ortsausgang, keine fünf Minuten Fußweg entfernt. Tromml hatte vorausschauenderweise zwei Ullis im Gepäck. Die letzten Schlücke Excelsior teilten wir noch und gingen dann zu Isomatte (die immer noch ein scheiß Loch hatte, weil ich versehentlich mit meinem Messer hineingestochen habe).