Waldtage


18.05.2017

Wischnipur

11:00 Uhr

Wetter: Bewölkt, aber wenigstens angenehm kühl

 

Liebes Logbuch,

 

Trommls Rücken hat ihm gestern noch etwas zu schaffen gemacht. Wir diskutierten außerdem über die Dauer unserer Reise. Vier Monate kamen Tromml doch etwas zu lang vor. Aber wir werden sehen. Ich bin jedenfalls zu allem bereit. Wir genossen den Abend auf dem Grillplatz, aßen und tranken den 0,35 Liter Chantré, den wir gestern in Mehrstetten gekauft hatten. Wir machten auch ein kleines Feuer. Tromml las und ich spielte Gitarre. Wir tollten ausgelassen im Gras herum, erschlugen nervtötende Wespen und ich entdeckte mein erstes graues Haar im Combat Überlebensset-Spiegel. Und - ich weiß nicht, ob es der hochprozentige Chantré, die tiefgründigen Gedichte, die gestern unseren Weg gesäumt hatten oder einfach das Wanderleben war – aber ich fand etwas, das ich als Frieden definierte. Ich spielte auch die Gitarre anders als sonst. Zuvor hatten Tromml und ich noch darüber debattiert, welche Gegenstände wir zurücklassen wollen und ich meinte: "Auf jeden Fall die Gitarre!" Ich wurde eines Besseren belehrt. Als es dunkel wurde gingen wir mit einem guten Gefühl schlafen. Ich lies noch einen abartigen Koffer stehen und schlief dann selig ein.

 

Am nächsten Morgen wurden wir von Vogelgesang geweckt. Endlos viele Piepmätze quietschten uns in den Gehörgang. Es war laut. Aber schön. Plötzlich näherten sich andere Störgeräusche. Kinderstimmen. Tromml und ich richteten uns auf und sahen uns an. Das Kind war offensichtlich sehr über unser Zelt verwundert. „Mama was ist das?“, „Oh ein Zelt“, und nochmal. Immer und immer wieder. Bald waren es zwei Kinderstimmen und mehr, die unser Zelt umzingelt hatten und sich lauthals darüber unterhielten. Aus Trommls Innerem ertönten neandertalergleiche Geräusche, die die hitzige Diskussion vor unserem Zelt noch ein wenig anheizte. Rauch stieg aus seiner E-Zigarette auf. Widerlich und verranzt wie wir waren, traten wir aus dem Zelt. Die Kinder staunten nicht schlecht, als sie uns sahen, umringten uns und fingen an hunderte von Fragen zu stellen. Ich setzte gelassen meinen Fischerhut auf, antwortete auf die Frage „Was trinkt ihr da?“ mit „Chantré“ und machte mich an die morgendlichen Pflichten. Tromml bekam der Trubel am frühen Morgen weniger gut. Er versuchte die Bälger loszuwerden, was ihm mit Ausrufen wie „Mach das Zelt nicht kaputt!“ gelang. Wir holten unser Essen vom Baum, aßen, putzten Zähne spuckten die Zahnpasta aus, während die Kinder jedem unserer Schritte hellauf begeistert folgten. Die Kindergärtnerin versuchte sie unangenehm berührt immer wieder einzufangen und erklärte uns, dass diese Woche wohl Waldtage wären. Dios mio. Um 09:00 Uhr verließen uns die Quälgeister und wir konnten in aller Ruhe unser Zelt einpacken und uns von dannen machen. Die Route nach Gomaringen begann mit einem Berg. 827 m zeigte das Navi an. F.U.C.K. Aber das Blasenpflaster, das ich am Morgen aufgebracht hatte, funktionierte. Wir liefen an einem Golfplatz vorbei und nach ca. sieben Kilometern waren wir in Gomaringen angekommen. In der Ortsmitte kauften wir Proviant und Tromml beklekerte sich mit Rooibos-Tee. Nun ist es an der Zeit weiter zu gehen. Mal sehen was uns noch erwartet.