Des darf ja alles net wahr sein


18.05.2017

Wischnipur

19:36 Uhr

Wetter: Hat grad gepisst

 

Logbuch,

 

vorweg, ich bin völlig knülle. Tromml hört grad seine völlig fertige Sprachnachricht an seine Eltern an. Seit heute Vormittag hat sich einiges zugetragen. Nachdem wir uns beim Bäcker versorgt hatten, ist meiner Meinung nach erstmal gar nix passiert. Das Tagesziel war es einen Ganzkörperwaschgang zu vollziehen, wozu wir beim nächsten Bächlein Gelegenheit hatten. Tromml legte einen Schiss hin, während ich begann, mich mit eiskaltem Bachwasser von meinem millimeterdicken Schmand zu befreien. Als Tromml mit einem Lächeln auf den Lippen um die Hecke kam, wusch er sich ebenfalls. Er musste sich laut eigenen Aussagen geschlagene drei Mal die Haare einshampoonieren, bis es zu schäumen begann. Nachdem der Wusch vollendet war, zogen wir weiter. Nach ca. 30 Minuten kam die Sonne hinter den Wolken hervor, was relativ beschissen war, da wir uns wie erwähnt eben erst gewaschen hatten. Wir cremten uns mit Trommls 14 Euro Sonnencreme ein, die, wie ich fand, weniger gut roch und zogen weiter Richtung Genkingen. Am Ortsende ergötzte uns der Anblick einer heftigen, orthopädisch bestimmt wertvollen Bank, auf welcher wir uns niederließen. Auf einmal schrie Tromml auf. Erst wegen seines Fußes, von welchem ein unschöner Knacks zu vernehmen war, dann wegen seiner E-Zigarette. Mundstück und Liquidtank ließen sich nicht mehr aufstecken. Ich belegte meinen Semmel mit Pizzaleberkäs und bestaunte die Aussicht. Bald ließ Tromml auch von seiner E-Zigarette ab und widmete sich seinem Semmel. So verharrten wir einige zehn Minuten und machten uns wieder auf die Socken. Wir liefen durch schöne Schrebergärten und bestiegen einen winzigen Berg, der eine Steigung von min. 180 Grad aufwies. Denselben Höhenunterschied liefen wir dann ca. eine halbe Stunde wieder hinab ins Tal, in dem Mössingen lag.

Zwischenzeitlich fiel uns auf, dass Mössingen aufgrund der Graffiti durchaus Ghettocharakter hatte. Allerdings bemerkten wir auch, dass wir doch ziemlich unberechenbar aussahen – schon auch ein bisschen Ghetto, aber auch ein bisschen Dorf. Sehr schön angelegter Wald übrigens. Brutal zum Mountainbiken. Trommls Füße, und auch meine übrigens, hatten ihren Zenit erreicht. Nach gut 30 Kilometern waren wir dem Ende nah. Wir suchten den nächsten Penny Markt auf, um uns sechs Dosenbier, zwei Exzelsior, diverse unwichtigere Lebensmittel und Wasser zu kaufen. Als wir den Laden verließen war Tromml völlig erledigt. Da ich aber auf einen schönen Schlafplatz bestand, nahm ich die Verpflegung auf den Rücken und wir zogen weiter. Als wir endlich ein Kilometer weiter unter Schmerzen einen Platz gefunden hatten, breiteten wir meine Isomatte über dem Gras aus und gewährten uns einen Schluck Stuttgarter Hofbräu und 5.0er. Tromml machte sein Fuß sorgen. Musste er die Reise abbrechen? Ich ermutigte ihn und trank fröhlich weiter.

 

Der Himmel zog zu. Wir konnten von weitem erkennen wie es im nächsten Ort bereits zu regnen begonnen hatte. Wir rafften uns auf und brachten schleunigst unsere Sachen in Sicherheit. Das Zelt war bereits aufgestellt. Halb nass schaffte ich es noch ins Zelt, wo Tromml bereits mit einer Dose Bier auf mich wartete. Plötzlich donnerte es. Tromml und ich sahen uns an. Unser Zelt stand unweit eines Baumes auf einem Berg. Das Gestänge und unser Dosenbier waren aus Metall. Wir beschlossen umgehend das Zelt zu verlassen. Das Dosenbier nahmen wir mit. Der Regen prasselte von oben auf uns herab. Vor lauter Bierintus vergaß ich beinahe meine Regenjacke überzuwerfen. Tromml erinnerte mich daran. Am Ende der Nerven liefen wir durch den strömenden Regen, um einen Unterschlupf zu suchen. Als Tromml vor mir herlief und fluchte: „Des darf ja alles net wahr sein“, brach ich völlig zusammen. Um ihn war es heute wahrlich nicht gut bestellt. Erst die Bälger, dann sein Fuß, seine E-Zigarette und dann auch noch das Gewitter. Er stellte sich unter ein Garagendach, während ich mich in eine Betonröhre im Spielplatz fletzte. Wenig später gesellte er sich zu mir. Ich ließ einen fahren, freute mich über den Hall und brach abermals lachend in Tränen aus, als Tromml mich entgeistert ansah. Als es langsam aufhörte zu regnen, wagten wir uns zum Zelt zurück. So. Achja – einen Regenbogen gab es auch. So. Biertime. Bis bald.