Der Aufstieg


16.05.2017

Wischnipur

14:17 Uhr

Wetter: Strahlend blauer Himmel

 

Liebes Logbuch,

 

nach zwei Bier ging ich in den hinter uns gelegenen Wald zum scheißen. Der Abhang war relativ steil, sodass ich mir beinahe in den Schuh schiss. Tromml und ich tranken zwei weitere Biere und versuchten uns an der Mundharmonika. Wir wissen nun wie Jingle Bells klingen sollte. Als das Bier leer war, hatten wir etwas Probleme uns zu beschäftigen. Uns wurde klar wie sehr wir an Dinge wie PCs und TVs gewöhnt waren. Wir gingen also schlafen. Tromml las noch den Kindle und ich schlief sofort ein. Mitten in der Nacht erwachte ich aufgrund der Kälte. Ich drehte und wendete mich, zog immer mehr Kleidungsstücke an und warf mir letztendlich die Rettungsdecke über, welche ein wahrer Segen war. Sie knisterte anstrengend, aber ich konnte endlich wieder einschlafen.

 

Wir erwachten in einem von der Morgensonne aufgewärmten Zelt um ca. 09:00 Uhr. Nachdem wir unsere Sachen gepackt und ich noch zwei Roggenbrote mit einem gerechten Stück Salami eingeworfen hatte, ging es weiter. Mein Fuß machte sich bereits nach den ersten paar Schritten bemerkbar. Die altbekannten Schmerzen im Fußwurzelknochenbereich waren zermürbend. Auch Tromml war von seinen Schulterschmerzen und von der mit 25° brennenden Sonne sichtlich gezeichnet. Zudem ging uns das Wasser aus und ein Supermarkt war für die nächsten 15 Kilometer nicht in Sicht. Ein alter Mann mit zotteligem Bart kam aus seinem Häuschen. „Schau, der Brauwastl“, sagte ich zu Tromml. Er nickte. Ich fragte den Mann, ob wir unsere Flaschen füllen dürften. Er willigte ein und führte mich in seine Werkstatt, die nach Pisse stank. Ich füllte die Flaschen, bedankte mich und wir zogen weiter. Dummerweise verpassten wir am Ortsrand einen Aufstieg, was uns zwang einen Umweg über eine Bundesstraße zu nehmen. Nach ca. 100 Metern sahen wir ein Auto, das am Straßenrand parkte. Dahinter sahen wir ein Flussbett, das steil den Berg hinaufführte. Da unser eigentlicher Weg auf dem Gipfel dieses Berges entlang führte, entschieden wir uns es mit dem Aufstieg aufzunehmen. Es war fatal. Steine rutschten weg. Die Bäume waren brüchig und ohne unsere Wanderstöcke wäre ein Abrutschen nicht zu verhindern gewesen. Bestimmt 200 Meter quälten wir uns den Berg hinauf. Tromml hechelte etwas von einem Herzinfarkt, als wir endlich oben angekommen waren. Die Aussicht entschädigte allerdings. Wir kamen auf einer weiten Alm heraus. Rapsfelder, soweit das Auge reichte. Ein einsamer Bauernhof lag in der Mitte. Wir liefen durch den Hof und anschließend eine lange Allee entlang, die uns schließlich nach Mehrstetten führte. Endlich.

 

Die Läden öffnen Gott sei Dank um 14:30 Uhr, sodass wir uns mit Proviant eindecken können. Wer weiß, wann wir in dieser Einöde den nächsten Supermarkt finden. Tromml stupst mich sanft an: „Langsam kommt bei mir au n guder Schiss bei raus“.